fbpx

ALPHA IST NICHT TOT!

AUSGEWÄHLTER ARTIKEL

Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht noch an den Punk-Rock-Slogan der frühen 80er Jahre: „Punk ist nicht tot! Angesichts der kürzlich angekündigten Rage Against The Machine (RATM)-Tour würde ich dem eher zustimmen. Wir können uns später darüber streiten, ob RATM in dieselbe Kategorie fällt wie die Dead Kennedys, Black Flag, Suicidal Tendencies, Channel 3 und natürlich The Sex Pistols (Spoiler-Alarm: IMHO, das tun sie allein nur, um ihre „Power“ zu demonstrieren und ihre Einstellung gegen das  Establishment zu dokumentieren), aber der Punkt ist hier, dass Alpha – trotz allem, was Sie vielleicht gelesen und gehört haben – in der Tat sehr lebendig und gut ist.

Bevor wir das Wie und Warum diskutieren, warum Alpha nicht tot ist, lassen Sie uns einen Blick darauf werfen, was mit „passiv“ gemeint ist.

Von einer sphärischen Perspektive – Marke Kuhweide – aus betrachtet, würde ich sagen, dass die einzigen Indizes, die wirklich passiv sind, diejenigen sind, die als „Composites“ bezeichnet werden, wie der NYSE Composite Index, der einfach der Index für alles ist, was an der NYSE notiert – kein spezieller Sektor wird ausgewählt, Marktkapitalisierungsbeschränkungen werden außen vor gelassen, Gewinne und andere Faktoren werden nicht gesondert bewertet. Wenn Sie an der Börse notieren, sind Sie dabei, von Ihrem IPO-Datum an bis zu Ihrer Dekotierung.

Der Russell-Indexfamilie liegt eine Methodik zugrunde, die ebenfalls recht agnostisch ist, da die wichtigsten Faktoren für die Aufnahme die Faktoren Marktkapitalisierung, Firmensitz sowie der Ort der Börsennotierung sind. Es gibt einige Regeln hinsichtlich der Wählbarkeit von Stimmrechten, aber nichts, was direkt auf die fiskalische Gesundheit oder Rentabilität der einzelnen Komponenten als fortwährende Bemessungsgrundlage hinweist.

Ist der S&P 500 Index aktiv?

Betrachten wir nun den über 7 Billionen Dollar „schweren Gorilla“, den Standard and Poor’s 500 Index (SPX) – die Benchmark der Benchmarks, den Gradmesser passiver Investitionen.

Es gibt einige allgemeine Regeln in Bezug auf Marktkapitalisierung, Liquidität sowie die finanzielle Überlebensfähigkeit und Ertragskraft von Unternehmen.

Je nach Ihrem Standpunkt handelt es sich bei diesen Regeln entweder um allgemeine Mechanismen, die dazu beitragen sollen, den Prozess der Konzentration auf relevante Komponenten zu vereinfachen, oder um bewusste Entscheidungen, mit denen aus einem Investment- Basis-Pool ein attraktiver Investment-Fundus an (aus der Perspektive des S&P) passablen Komponenten wird.

Wie immer man die Sache sieht, die Wirkung dieser Regeln besteht darin, ein Universum von Komponenten zu schaffen, das in der Lage ist, den Spießrutenlauf des nächsten Regelsatzes zu meistern, der uns zur endgültigen Liste der Indexbestandteile führen wird.

Die Auswahl der Indexbestandteile wird auf Seite 10 der Methodik behandelt.[1]

Und los geht’s. So wird die „SPX-Wurst“ hergestellt: „Die Auswahl der Indexbestandteile liegt im Ermessen des Indexkomitees und basiert auf den Auswahlkriterien“.

Einige werden das vielleicht noch einmal lesen wollen…

Wie oft werden Indexbestandteile auf ihre Eignung überprüft? Geschieht dies jährlich oder halbjährlich?

Ab Seite 26 heißt es, „Änderungen der Indexzusammensetzung werden bei Bedarf vorgenommen. Es gibt keine geplante Neuzusammensetzung.“

Außerhalb einiger recht weit gefasster Regeln liegt die endgültige Auswahl der Komponenten für den SPX also völlig im Ermessen des Indexanbieters und kann zu jedem vom Indexanbieter als angemessen erachteten Zeitpunkt erfolgen. – ? –

Ist dies nicht genau die Definition eines aktiv verwalteten Portfolios?

Diese Methodik wird für den S&P 500 (SPX), den S&P Midcap 400 (MID) und den S&P Smallcap 600 (SML) verwendet. Ich sage nicht, dass der S&P die Anleger all die Jahre getäuscht hat, denn diese Informationen sind schon seit einiger Zeit verfügbar. Sie bilden jedoch die Grundlage für einige weitere Enthüllungen und geben Anlass zu Diskussionen. Wenn SPX, MID und SML aktiv gemanagte Indizes sind, dann ist jedes Derivat davon ebenfalls ein aktiv gemanagter Index, einschließlich der Select Sector Indizes.

Kategorisierung zählt

Wir alle wissen, dass der heilige Gral des aktiven Investierens darin besteht, den SPX kontinuierlich zu übertreffen. Bei passiven Investments ist es ähnlich, wenn es darum geht, die exakten Renditen des nachgebildeten Index zu erzielen. Wenn Sie jedoch mit einem durchschnittlichen passiven Vermögensverwalter sprechen, dann besteht sein Heilige Gral darin, einen Index zu finden (oder in einigen Fällen zu schaffen), der den SPX eben übertrifft.

Wenn das Ziel nicht der SPX ist, dann, raten Sie mal, wo ist es zu finden? Wie wird eine solches Ziel erreicht?

Ab jetzt wird’s spannend

Eines der Markenzeichen von Forschung und Investitionen ist der Global Industry Classification Standard (GICS), der 1999 von Standard and Poor’s und MSCI entwickelt wurde. Wenn Investoren über „Finanzwerte“ oder einen der anderen 10 Sektoren sprechen, meinen sie in Wirklichkeit „börsennotierte Aktien von Unternehmen, die Einnahmen aus Aktivitäten generieren, die nach S&P und MSCI in die Kategorie der Finanzdienstleistungen fallen“.

Viele Investoren verlassen sich inzwischen auf den GICS als Sprungbrett, um nicht nur Unternehmen zu klassifizieren, sondern auch einen Diskussionsrahmen für diese Wirtschaftssegmente zu schaffen. Doch was passiert, wenn die Wirtschaft beginnt, sich außerhalb der GICS-Grenzen zu entwickeln?

Um es in eigenen Worten zu sagen: Wenn ein neuer Wirtschaftssektor entsteht, für den es kein Mapping gibt, wie wird er dann klassifiziert? Meist werden diese Unternehmen am Ende falsch klassifiziert und die aufstrebenden Wirtschaftsbereiche, die sie repräsentieren, werden in ihrer Bedeutung überhaupt nicht erkannt.

Aufstrebende Segmente

Im Laufe meiner Karriere habe ich eine Reihe von Indizes entwickelt, die von ETFs abgebildet werden und sich auf neu entstehende Wirtschaftsbereiche konzentrieren. Dazu zählen Windenergie, Cloud Computing, Cybersicherheit, elektronische Zahlungssysteme, Videospiele, Big Data, Immuntherapie und Cyber Security/Schutz der Privatsphäre) etc. Einige davon wurden vollständig aus eigener Kenntnis der Dinge entwickelt, andere mit Forschungspartnern, vor allem Ted Pollak, Brad Loncar und Tematica Research (zum Thema Cyber Security/Schutz der Privatsphäre).

Um es klar zu sagen, wenn ich von „aufstrebenden Wirtschaftsbereichen“ spreche, dann meine ich damit, dass es heute genügend Unternehmen mit ausreichend hohen Einnahmen gibt, die das Investmentgesetz von 1940 für diversifizierte Anlagen oder ein OGAW-qualifiziertes Anlageinstrument (UCITS Fonds) in großem Maßstab unterstützen. Spannend ist auch, dass bis vor kurzem die Nachbildung eines Index im Wesentlichen die einzige Möglichkeit war, um ein börsengehandeltes Produkt genehmigt zu bekommen und es auf den Markt zu bringen.

Allen diesen Strategien gemeinsam ist, dass diese Segmente im GICS-Rahmen nicht singulär repräsentiert waren (und noch immer nicht sind). Das andere, was diese Strategien gemeinsam haben, ist die Perspektive, dass diese Aktiengruppen den Markt übertreffen werden. Bei diesen Strategien handelt es sich nicht um ein Rebranding des GICS-Sektors oder des SPX. Diese Indices sind alle auf Alpha-Suche. Einige waren erfolgreicher als andere, aber das Ziel ist hier die Performance.

Eine neue Ära

Ich denke, was einige Investoren vergessen, ist, dass das Ende der Welt vor der Fair Disclosure Regulierung (Reg FD) nicht nur mit dem exponentiellen Wachstum des Internets zusammenfiel, sondern (insbesondere in den letzten 10 Jahren) auch mit dem Boom des Informationszeitalters. In der heutigen „Python-fähigen“ Welt hat ein durchschnittlicher Anleger nicht nur Zugang zu den gleichen Informationen, sondern auch zu vielen der gleichen Werkzeuge (oder er hat die Fähigkeit, sie zu entwickeln) wie sie von professionellen Investmentfirmen genutzt werden.

Die Märkte sind weitaus effizienter und die Jagd nach einzelnen Titeln ist einfacher geworden. Das hat einen überfrachteten Börsenhandel entstehen lassen. Wenn Ihre Definition von „Alpha ist tot“ darin besteht, dass alles auf einem überlasteten Handel basiert, könnten Sie genauso gut mitten in der Grube der Frozen Orange Juice Futures stehen und rufen: „Schalten Sie die Maschinen wieder ein!

Alpha-Quellen wurden ursprünglich bei Unternehmen mit breiter Marktstreuung gesucht, die schwer zu identifizieren waren. Daraus sind zwei Trends abzuleiten:

  • Brute-Force-optimierte Quantenmodelle (intelligente Beta/Faktor-Investitionen)
  • Qualitativ fokussierte thematische Portfolios (Makro-Trends/aufkommende wirtschaftliche Aktivität)

Für große Firmen, die in den ETF-Markt mit dem Ansatz „bring your own assets“ einsteigen möchten, ist der sicherste Weg zur Umstellung dieser Vermögenswerte die Modellierung ihres bestehenden aktiven Ansatzes (smart beta/factor). Für neuere oder kleinere Firmen kann es sehr lohnend sein, mit einer neuartigen Strategie einen „Blitz in eine Flasche“ einschlagen zu lassen. Die (buchstäblichen) Schwierigkeiten kleiner Firmen sollten in einem separatem Artikel behandelt werden.

Auf jeden Fall bleibe ich dabei, dass alle Investoren (auch die Aktionäre von Produkten mit definierten Ergebnissen) unabhängig von der Etikettierung nach Alpha streben, und dass Alpha – trotz allem, was Sie vielleicht gelesen und gehört haben – in der Tat lebendig und attraktiv ist.

Also, wer hat nun Tickets für diese Rage Against The Machine-Show?

 

Dieser Artikel wurde von Tematica Research LLC verfasst. Rize ETF Ltd gibt keine Zusicherungen oder Gewährleistungen jeglicher Art ab.

 

Verwandter ETF

RCRS: Rize Cybersecurity and Data Privacy UCITS ETF

BLUM: Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF

 

Verweise:

[1] S&P Global, “S&P U.S. Indices Methodology”, Page 10, Available at: https://www.spglobal.com/spdji/en/documents/methodologies/methodology-sp-us-indices.pdf

  • 1
  • 2
  • 3

Select Your Country

United Kingdom
Germany
Italy
Switzerland
Austria
Denmark
Finland
Ireland
Luxembourg
Netherlands
Norway
Spain
Sweden

Select Your Investor Type

======