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Entmystifizierung des menschlichen Endocannabinoiden-Systems

Haben Sie sich jemals gefragt, warum Cannabis eine so besondere Wirkung auf uns hat? Nun, danken Sie dem Endocannabinoiden-System (ECS). Das ECS ist ein umfangreiches, kompliziertes Netzwerk von Rezeptoren in unserem Gehirn und unserem Darm, das dabei hilft, den natürlichen Zustand der Homöostase, also das Gleichgewicht des Körpers zu regulieren. Das ECS ist das umfangreichste biologische System von Rezeptoren in unserem Körper. Es hilft, Stimmung, Appetit, Gedächtnis, Schlaf und sogar die Fruchtbarkeit zu regulieren. Wenn sich unser Körper verletzt oder aus der Homöostase gerät, gibt das dem ECS das Signal, einzugreifen. Und nicht nur Menschen haben ein ECS; praktisch jedes Tier auf der Erde hat eines. In diesem Beitrag blicken wir in der Geschichte zurück, auf die erstmalige Entdeckung des ECS und darauf, wie wir – im Laufe der Jahre – seine vollständige Funktion verstanden haben und wie es in unserem Körper die Homöostase reguliert.

Die Entdeckung des Endocannabinoiden-Systems

Die ersten Forschungen zum ECS entstanden in den 1960er Jahren.[1]  Damals gelang es Wissenschaftlern, zahlreiche Verbindungen aus der als Phytocannabinoid („Phyto“ bedeutet „Pflanze“) bekannten Cannabispflanze zu isolieren. Die Erforschung ihrer Auswirkungen auf den menschlichen Körper offenbarte ein ganzes Netz von Rezeptoren, Enzymen und biochemischen Bahnen. Diese sind an der Herstellung und Verwendung der körpereigenen Cannabinoide (bekannt als Endocannabinoide, „Endo“ bedeutet „aus dem Körperinneren stammend“) beteiligt. Obwohl sich die Forschung in erster Linie auf Menschen und Säugetiere konzentrierte, wurde auch entdeckt, dass wir diese Neurochemikalien mit den meisten Mitgliedern des Tierreichs, darunter Vögel, Amphibien, Fischen und sogar Seeigeln, teilen.

Welche Funktion hat das Endocannabinoide-System?

Das ECS ist sowohl in der frühen Entwicklung als auch während unseres ganzen Lebens von entscheidender Bedeutung. Wir werden mit einem ECS geboren und in unseren frühen Jahren vermittelt es vielfältige Prozesse der Neuroentwicklung, darunter Kognition, Wahrnehmung, Motivation, Salienz und die Regulierung von Angst. Es ist auch entscheidend für die so genannte Synaptogenese, das heißt die Bildung von Synapsen in unserem Gehirn. Das sind kleine elektrische Verbindungen, die es den Neurotransmittern ermöglichen, Informationen durch unseren Körper zu senden.

Was sind die Hauptbestandteile des Endocannabinoiden-Systems?

Das ECS besteht aus drei Hauptkomponenten: Rezeptoren, Endocannabinoiden und Enzyme.

Rezeptoren

Rezeptoren empfangen und übersetzen Informationen, die von Cannabinoiden übermittelt werden. Durch den Konsum von Cannabinoiden sind wir in der Lage, diese Rezeptoren zu stimulieren um somit unseren Appetit zu steigern, Entzündungen zu verringern, bei Schlaflosigkeit zu helfen und sogar bei epilepsiebedingten Symptomen helfen zu können.[2]  Das ECS beinhaltet zwei Arten von Rezeptoren: CB1-Rezeptoren und CB2-Rezeptoren.[3]  Erstere halten sich im Gehirn und im Rückenmark auf, wo sie Appetit und Gedächtnis regulieren und Schmerzen lindern.[4] CB2-Rezeptoren existieren innerhalb des Immunsystems, sie verringern Entzündungen im gesamten Körper.[5]  Unter Entzündung versteht man den Prozess, den der Körper durchläuft, um infizierte oder geschädigte Bereiche zu heilen. Sie ist zudem Hauptursache für viele verschiedene Erkrankungen.

Endocannabinoide

Endocannabinoide oder endogene Cannabinoide sind körpereigene Cannabinoide, die auf natürliche Weise im Körper produziert werden. Endogene Cannabinoide stehen dabei im Gegensatz zu exogenen Cannabinoiden also Cannabinoiden, die außerhalb des Körpers gefunden werden und heute in den Regalen der meisten Bioläden stehen.[6] Wenn ein Ungleichgewicht in unserer inneren Umgebung festgestellt wird, synthetisiert unser Körper Endocannabinoide, die mit den Cannabinoidrezeptoren interagieren. Dies stimuliert eine chemische Reaktion, die den physiologischen Prozess wieder in die Homöostase zurückführt. Die Endocannabinoide fungieren als „Schlüssel“, während die Rezeptoren als „Schlösser“ dienen. Stellen Sie sich vor, dass jedes Mal, wenn ein Schlüssel in ein Schloss passt, diese Verbindung eine Wirkung auf den Körper hat. Es gibt zwei Haupttypen von Endocannabinoiden im Körper: Anandamid und 2-AG.[7]  Anandamid, allgemein als „das Glückseligkeitsmolekül“ bezeichnet, ist für das sogenannte Läuferhoch und die Glückseligkeitszustände verantwortlich, die von Dingen wie Yoga und Meditation herrühren. 2-AG ist das am weitesten verbreitete Endocannabinoid, dass für die Steuerung des Appetits, der Schmerzreaktion und der Funktionen des Immunsystems verantwortlich ist.

Enzyme

Enzyme sind alle diejenigen Stoffe im Körper, die chemische Reaktionen auslösen. Sie wirken innerhalb des ECS, um gebrauchte Endocannabinoide zu recyceln, nachdem der Körper mit ihnen fertig ist.[8]

Fazit

Heute hilft uns das ECS zu verstehen, wie Cannabis in unserem Körper funktioniert. Die Forschung untersucht nun, wie verschiedene Cannabinoide dazu beitragen können, unseren natürlichen Zustand der Homöostase zu regulieren. Das ECS kann uns zwar helfen, die Wirkung der verschiedenen Cannabinoide zu verstehen, aber Cannabinoide sind nicht der Grund für die Existenz des ECS. Es ist ein biologisches System, das schon immer ein Teil von uns war. Und obwohl das ECS verschiedene Aufgaben erfüllt, hat es immer ein Ziel vor Augen: die Homöostase, das heißt die Aufrechterhaltung der Gesundheit unserer Zellen und unseres Immunsystems.

 

Verwandte ETFs

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References:

[1] National Center for Biology Information, “Cannabinoid pharmacology: the first 66 years”, 2006. Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1760722/

[2] BBC, “Cannabis-based medicine for epilepsy available on NHS from January”, December 2019. Available at: https://www.bbc.com/news/health-50874089

[3] National Center for Biology Information, “Pharmacology of cannabinoid CB1 and CB2 receptors”, 2020. Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9336020

[4] Healthline, “A Simple Guide to the Endocannabinoid System”, 2020. Available at: https://www.healthline.com/health/endocannabinoid-system-2

[5] Frontiers in Neuroscience, “Cannabinoid Type 2 (CB2) Receptors Activation Protects against Oxidative Stress and Neuroinflammation Associated Dopaminergic Neurodegeneration in Rotenone Model of Parkinson’s Disease”, August 2016. Available at: https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2016.00321/full

[6] Virginia Pharmacists Association, “Role of Medical Marijuana and Cannabidiol (CBD) in Patient Care”, November 2019. Available at: https://virginiapharmacists.org/event/rphas-role-of-medical-marijuana-and-cannabidiol-cbd-in-patient-care/

[7] ScienceDirect, “2 Arachidonoylglycerol”, 2010. Available at: https://www.sciencedirect.com/topics/biochemistry-genetics-and-molecular-biology/2-arachidonoylglycerol

[8] National Center for Biology Information, “The Endocannabinoid System of Animals”, September 2019. Available at: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6770351/

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