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Bislang unbeachtete Hürde bei der Bekämpfung der Abholzung der Tropenwälder und des Klimawandels: Die Ernährungsindustrie

Der Klimawandel gewinnt mehr und mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Die Diskussion, wie Verbraucher und Investoren dem Klimawandel begegnen können, konzentriert sich größtenteils auf die Rolle des Menschen bei den Treibhausgasemissionen (THGs) und die Notwendigkeit des Übergangs zu erneuerbaren Energien. Weit weniger Aufmerksamkeit gilt jedoch dem Industriezweig, der etwa 26 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgase [1] verantwortet und Hauptursache für die weltweite Abholzung der Tropenwälder und den Verlust der biologischen Vielfalt ist: Unser Ernährungssystem.

Warum ist dieses System so schädlich für Umwelt und Klima? Neben einer Reihe von Gründen ist der Fleischsektor jedoch der bei weitem größte Missetäter.

Dabei gilt es sich vor Augen zu führen, dass die Hälfte der weltweit bewohnbaren Gebiete – also eis- und wüstenfreies Land – für die Landwirtschaft genutzt wird. 77 Prozent dieser landwirtschaftlichen Nutzfläche dient der Viehweide oder dem Anbau von Futtermitteln für das Vieh.[2]

Mit dem Bevölkerungswachstum stieg die Nachfrage nach Fleisch. Rinder- und Sojaproduktion sind heute die Hauptursache für die Entwaldung des Amazonas-Bioms. Nahezu 80 Prozent der gesamten Sojaproduktion wird zur Fütterung von Vieh, einschließlich Rindern, verwendet[3].

 

Landnutzungsänderung und Landwirtschaft setzen das meiste CO2 frei

Wie nachfolgende Grafik verdeutlicht, emittieren die Lieferketten für Rind- und Lammfleisch/Kopf mehr Kilogramm Kohlendioxidäquivalent pro Kilogramm Produkt als jede andere Art von Lebensmitteln.[4] Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass der überwiegende Teil dieser Emission allein aus den ersten beiden Stufen der Lebensmittelversorgungskette stammt: Aus Landnutzungsänderung und Landwirtschaft.

Bei der „Landnutzungsänderung“ handelt es sich um die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Flächen. Die Entwaldung führt nicht nur zur Emission riesiger Mengen Kohlendioxid durch die Verbrennung und Zersetzung von Waldbiomasse, sondern verändert auch den Kohlenstoffgehalt des Bodens enorm. Nach Angaben des World Resources Institute hat der Verlust von Tropenwäldern zwischen 2015 und 2017 weltweit etwa 4,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid pro Jahr verursacht, etwa 8-10 Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgase[5].

Die zweite Stufe ist die Landwirtschaft, wo Düngemittel, Gülle, Landmaschinen und Vieh ebenfalls schwindelerregende Mengen von Treibhausgasen in die Atmosphäre freisetzen. Über einen Zeitraum von 12 Monaten kann beispielsweise eine einzige Kuh bis zu 300 kg Methan produzieren – ein Gas, das über eine Zeitspanne von 100 Jahren etwa 28 Mal mehr Wärme als Kohlendioxid und über eine Zeitspanne von 20 Jahren 84 Mal mehr Wärme als Kohlendioxid einfängt![6]

Im Vergleich dazu haben die nachfolgenden Verarbeitungs-, Transport-, Einzelhandels- und Verpackungsstufen der Lieferkette einen viel kleineren THG-Fußabdruck, sie tragen zusammengenommen nur etwa 5-10 Prozent zu den weltweit vom Menschen verursachten Treibhausgasen bei[7]. Treibhausgasemissionen aus den Versorgungsketten für pflanzliche Produkte fallen dagegen bis zu 50-mal niedriger aus[8]. Zahlreichen Studien zufolge kann eine pflanzliche Ernährung dazu beitragen, eine Reihe von ernährungsbedingten, lebensbedrohlichen Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit zu unterbinden.

Nicht die Herkunft, sondern unsere bevorzugten Arten von Lebensmitteln verursachen den Großteil der Treibhausgasemissionen im Lebensmittelsystem und die weltweite Entwaldung: Das Steak aus lokaler Produktion ist schädlicher als die Avocado aus Mexiko.

 

Nachfrage nach Fleisch auf pflanzlicher Basis und Zuchtfleisch

Die Verbraucher auf der ganzen Welt werden sich der Realitäten langsam bewusst. Das wachsende Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein kann bewirken, die Abholzung an Orten wie dem Amazonas-Regenwald (größtenteils der Rindfleischproduktion zuzuschreiben) und Borneo (größtenteils der Palmölproduktion zuzuschreiben) zu reduzieren. Gleiches gilt für die vom Menschen verursachten Treibhausgase, die dem Ernährungssystem zuzuschreiben sind. Daraus ergibt sich das Potenzial, eine Reihe neuer Investitionsmöglichkeiten zu erschließen.

Die diesjährige Pandemie und die infolgedessen notwendigen Anpassungen haben dieses „bewusste“ Überdenken unserer Einkaufsgewohnheiten beschleunigt. Rund 81 Prozent der französischen Verbraucher, die im Mai 2020 von OpinionWay befragt wurden, gaben an, dass sie nach dem Lockdown umweltfreundlichere Lebensmittel kaufen wollen.[9] Auf die Frage, warum sie den Fleischkonsum einschränken, nannte fast die Hälfte der Befragten einer Gallup-Umfrage im Jahr 2019 Umweltbedenken als Hauptgrund.[10]Dieser Wandel ebnet den Weg für eine starke Zunahme des Verkaufs von Fleischalternativen in der Zukunft.

Die Unternehmensberatung AT Kearney prognostiziert, dass der Anteil von konventionellem Fleisch am weltweiten Fleischmarkt von 90 Prozent im Jahr 2025 auf nur 40 Prozent im Jahr 2040 sinken wird[11].[12] Im gleichen Zeitraum wird der Anteil neuartiger veganer Fleischersatzprodukte (d.h. pflanzlicher Fleischalternativen wie Beyond Burger und Impossible Burger) voraussichtlich von 10 Prozent auf 25 Prozent steigen, während der Anteil von Fleisch aus Laborversuchen (d.h. manchmal als „kultiviertes“ oder „zelluläres“ Fleisch bezeichnet) auf 35 Prozent steigen wird.

 

Investoren treiben den Markt

Risikokapitalgeber haben diesen Trend schon lange vorhergesehen: Die Finanzierung für Foodtech- und Agrartech-Startups erreichte 2019 19,8 Milliarden Dollar, mehr als doppelt so viel wie 2016, als nur 8,6 Milliarden Dollar aufgebracht wurden.[13] Inzwischen wurde der Hype der öffentlichen Investoren um den Sektor durch den Börsengang von Beyond Meat regelrecht angefacht. Ungeachtet der diesjährigen Pandemie sind die Aktien dieses Fleischsubstitut-Produzenten von unter 75,60 US-Dollar am 31. Dezember 2019 auf 142 US-Dollar am 27. November 2020 gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die Anteile an Else Nutrition, Neueinsteiger auf den öffentlichen Märkten, der Babynahrung auf pflanzlicher Basis herstellt, von 0,53 auf 4,50 CA$ gestiegen[14].

Der Wert des Pflanzenfleischmarktes ist nun auf dem besten Weg, von 10,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2018 auf 30,92 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 zu wachsen[15]. Den Erwartungen nach werden immer mehr dieser privaten Unternehmen an die Börse gehen.

Um das Beste aus dieser Investitionsgelegenheit zu machen, haben wir pflanzliche Lebensmittel zu einem der neun Teilsektoren unseres Themas „Nachhaltige Zukunft der Ernährung“ gemacht. Zusammen mit Tematica Research haben wir die globalen börsennotierten Unternehmen identifiziert, die ihre gesamten oder einen großen Teil ihrer Einnahmen aus pflanzlichen Lebensmitteln erzielen. Und da der konventionelle Fleischkonsum, insbesondere von Rindfleisch, mit einer nachhaltigen Zukunft der Lebensmittel unvereinbar ist, schließen wir Unternehmen, die Lebensmittel aus Fleisch aus Bodenhaltung herstellen, aus.

Farming 4.0 – Neue intelligente Agrartechnologien auf dem Vormarsch

Es sind nicht nur Fleischalternativen, die vom steigenden Umweltbewusstsein der Lebensmittelkonsumenten profitieren werden. Es gibt viele andere Sektoren, in denen Unternehmen innovativ tätig sind, um den Kohlenstoff-Fußabdruck der Lebensmittelversorgungskette zu reduzieren.

Ein hervorragendes Beispiel, auf das wir uns bei unserem Thema „Nachhaltige Zukunft der Lebensmittel“ konzentrieren, ist die „intelligente Landwirtschaft“ oder „Farming 4.0. Gemeint sind fortschrittliche Technologien wie Robotik, Sensoren, Software sowie Luft- und Satellitenbilder, die mit großen Datenmengen und cloudbasierten Lösungen kombiniert werden, um mehr Präzision und Automatisierung (und damit Ressourceneffizienz) innerhalb des landwirtschaftlichen Prozesses zu ermöglichen.

Ob es um die Überwachung des Feuchtigkeitsgehalts auf den Feldern geht, die Beurteilung des idealen Zeitpunkts für die Ernte oder die präzise Anwendung von Input-Ressourcen wie Wasser, Dünger, Pestiziden und Fungiziden – die neuen Plattformen ermöglichen es den Landwirten, jede Pflanze genau mit dem zu versorgen, was sie braucht, anstatt gleich ein ganzes Feld zu besprühen. Auf diese Weise können Landwirte Input-Ressourcen einsparen, THG-Emissionen reduzieren und die mit dem Oberflächenabfluss verbundenen unangenehmen Umweltnebenwirkungen wie die Wassereutrophierung verringern.

 

Fazit

Letztlich beginnt der Wandel beim Verbraucher. Und da die Verbraucher auf der ganzen Welt immer besser über die Auswirkungen ihrer Ernährung auf die Umwelt (und vor allem auf die Gesundheit) informiert sind, wird der Übergang zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem endlich möglich. Die Unternehmen, die die technologische Innovation in der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette vorantreiben oder die neuen gefragten Lebensmittelprodukte entwickeln und herstellen werden am besten positioniert sein, um vom Rückenwind dieses Übergangs zu profitieren.

 

Verwandter ETF

RIZF: Rize Sustainable Future of Food UCITS ETF

 

Verweise:

[1] Poore, J., & Nemecek. (2018). “Reducing food’s environmental impacts through producers and consumers”, Science, volume (360/6392) [online]. (Available at: https://science.sciencemag.org/content/360/6392/987) (Accessed: 30 November 2020)

[2] Ibid.

[3] World Wildlife Federation (WWF), “NATURE IS THREATENED BY UNSUSTAINABLE PRODUCTION AND CONSUMPTION OF SOY” [online]. (Available at: https://wwf.panda.org/discover/our_focus/food_practice/sustainable_production/soy/?) (Accessed: 30 November 2020))

[4] Poore, J., & Nemecek, 2018 (cited in Our World in Data. (2020). “Environmental impacts of food production” [online]. (Available at: https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food) (Accessed: 30 November 2020))

[5] World Resources Institute. (2018). “By the Numbers: The Value of Tropical Forests in the Climate Change Equation” [online]. (Available at: https://www.wri.org/blog/2018/10/numbers-value-tropical-forests-climate-change-equation) (Accessed: 30 November 2020)

[6] Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC), (2013). “CLIMATE CHANGE 2013: The Physical Science Basis”, p.714 [online]. (Available at: https://www.ipcc.ch/report/ar5/wg1/) (as cited in Our World and Data. (2020), “Greenhouse gas emissions”. [online]. (Available at: https://ourworldindata.org/greenhouse-gas-emissions) (Accessed: 30 November 2020))

[7] Poore, J., & Nemecek. 2018 (cited in Our World in Data. (2020). “Environmental impacts of food production” [online]. (Available at: https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food)) (Accessed: 30 November 2020))

[8] Ibid.

[9] Opinionway. (2020). “Les Français et la consummation de produits alimentaires pendant le confinement” (as cited in Statista, (2020). “Intention to buy more sustainable food products after the lockdown in France 2020”, [online]. (Available from: https://www.statista.com/statistics/1124319/environmentally-friendly-food-purchase-intentions-after-lockdown-france/))

[10] McCarthy, J. (2020). “Nearly One in Four in U.S. Have Cut Back on Eating Meat”. Gallup, [online]. (Available from: https://news.gallup.com/poll/282779/nearly-one-four-cut-back-eating-meat.aspx) (Accessed: 30 November 2020)

[11] A.T. Kearney. (2019). “How Will Cultured Meat and Meat Alternatives Disrupt the Agricultural and Food Industry”, [online]. (Available from: https://www.kearney.com/documents/20152/2795757/How+Will+Cultured+Meat+and+Meat+Alternatives+Disrupt+the+Agricultural+and+Food+Industry.pdf/06ec385b-63a1-71d2-c081-51c07ab88ad1?t=1559860712714). (Accessed: 30 November 2020)

[12] Ibid.

[13] AgFunder. (2020). “From AgFunder with love: Global agrifoodtech funding reaches $19.8bn in 2019”, [online]. (Available from: https://agfundernews.com/from-agfunder-with-love-global-agri-foodtech-funding-reaches-19-8bn-in-2019.html). (Accessed: 30 November 2020))

[14] Bloomberg, 30 November 2020.

[15] Reports and Data. (2019). “Plant-based Meat Market To Reach USD 30.92 Billion By 2026”, [online]. (Available from: https://www.globenewswire.com/fr/news-release/2019/10/14/1929284/0/en/Plant-based-Meat-Market-To-Reach-USD-30-92-Billion-By-2026-Reports-And-Data.html). (Accessed: 30 November 2020)

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