fbpx

Die Neue Landwirtschaftliche Revolution

Die Sicherheit unseres Ernährungssystems ist eine der dringlichsten Herausforderungen, vor der die Welt steht. Jeder, der die Netflix-Dokus „Cowspiracy“ und „Seaspiracy“ gesehen hat, wird sich dieses Problems bewusst sein.

Die Menschheit steht vor der Herausforderung, genug gesunde, leistbare und nährhafte Lebensmittel für eine wachsende Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Sich schnell verändernde klimatische Bedingungen und die Zerstörung von Land, Böden, Meeren und unserer Biodiversität erschweren diese Aufgabe zusätzlich.

Unterwähnt bleibt dabei oft die Tatsache, dass wir als Konsumenten die Fähigkeit haben, Veränderungen zu bewirken. Unsere Entscheidungen haben Bedeutung. Indem wir uns darüber bilden, welche Auswirkungen unser Ernährungsverhalten auf unsere Gesundheit, aber auch auf die Umwelt haben, können wir uns entscheiden, es auf die Weise umzustellen, die die Belastung für unser Ernährungssystem minimiert.

In einer mit der globalen Energiefrage vergleichbaren Weise erfordert die globale Ernährung eine rasche Transformation, um die irreversiblen Schäden zu vermeiden, die uns erwarten, wenn nichts getan wird. Wir müssen so über eine Ernährungswende sprechen, wie wir über eine Energiewende sprechen. Wir müssen darüber spreche, wie wir gemeinschaftlich eine nachhaltigere Ernährungszukunft schaffen können.

Die gute Nachricht ist, dass ein großer und systemweiter Wandel auch Chancen bringt. Es entstehen Unternehmen, die an allen Positionen der Lebensmittelwertschöpfungskette an einem nachhaltigeren und sichereren Ernährungssystem für alle arbeiten. Sie bedienen die Nachfrage des modernen, klimabewussten Konsumenten, der seinen Teil dazu beitragen will, das System zu verändern.

 

Food for thought

  • Ernährung macht aktuell 26 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen aus[1]
  • Die Hälfte der bewohnbaren Landmasse der Erde wird aktuell landwirtschaftlich genutzt[2]
  • 70 Prozent des weltweiten Trinkwasserverbrauchs geht auf die Landwirtschaft zurück[3]
  • 78 Prozent der weltweiten Meeres- und Süßwasser-Eutrophierung (die Verschmutzung von Gewässern mit nährstoffreichen Schadstoffen) wird durch die Landwirtschaft verursacht[4]
  • 94 Prozent aller Säugetiere auf der Erde sind Nutztiere[5]

Lassen Sie diese Zahlen einmal auf sich wirken.

Unkontrollierte Agrar- und Aquakultur wird gegenwärtig für 24.000 der 28.000 vom Aussterben bedrohten Spezies als Bedrohung eingeschätzt.[6]

Die alarmierendste Tatsache ist jedoch die, dass die Fleischproduktion allein für 14,5 Prozent der menschengemachten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist.[7]

Im Angesicht dieser Fakten muss man sich vor Augen halten, dass 77 Prozent des gesamten landwirtschaftlich genutzten Landes entweder zur Weidehaltung oder zur Produktion von Tierfutter genutzt werden, und dass 80 Prozent des weltweit produzierten Soja als Nahrung für Tiere, statt für Menschen, genutzt werden.[8][9]

Die Rinderzucht ist auch der Hauptgrund für die Abholzung des Amazonas-Regenwaldes.[10]

Was sagt uns das? Es ist recht simpel – das, was wir essen, ist der wichtigste Faktor, wenn es um die Bekämpfung des Klimawandels, der Bewältigung des Wassermangels, der Verringerung der Umweltverschmutzung und der Vermeidung des Verlusts von Waldfläche und Biodiversität geht.

Die Bilanz von Rindfleisch

Es ist somit sicher keine Überraschung, dass die Emissionen von tierischen Produkten die von pflanzlichen Produkten bei weitem übersteigen.

Am meisten erschütternd ist dabei die Tatsache, dass Rindfleisch in der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette die der größte Verursacher von CO2-Emissionen ist. Er verursacht fast dreimal so viel Treibhausgasemissionen wie der zweitplatzierte Übeltäter, Lamm- und Hammelfleisch.[11]

Es gibt zwei wesentliche Faktoren, die für die Emissionen von Rindfleisch verantwortlich sind. Der erste ist die Waldrodung bzw. Landnutzungsänderung für die Schaffung von Weideland. Der Faktor sind Methanemissionen, da das Verdauungssystem von Rindern als Wiederkäuer sehr viel Methan produziert.

 

Der Mythos der Regionalität

Im Vergleich dazu machen die späteren Stadien der Lebensmittelproduktion, darunter die Verpackung, der Transport, die Verarbeitung und die Zubereitung nur rund 5-10 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen aus.

Es wird sehr viel davon gesprochen, wie wichtig es sei, Lebensmittel regional zu beziehen, um unsere CO2-Bilanz zu verbessern. Obwohl die regionale Beschaffung durchaus viele Vorteile mit sich bringt, etwa die Unterstützung ortsansässiger Landwirte, gehört die Verbesserung unserer CO2-Bilanz nicht dazu. Die Frage, was wir essen, ist viel entscheidender als die Frage, woher unser Essen kommt.

 

Was ist also ein nachhaltiges Ernährungssystem?[12]

Ein nachhaltiges Ernährungssystem muss drei Eigenschaften aufweisen:

  1. Es muss profitabel, also wirtschaftlich nachhaltig, sein.
  2. Es muss der Gesellschaft einen deutlichen Mehrwert bieten, also der (globalen) Ernährungssicherheit zugutekommen.
  3. Es muss positive oder zumindest neutrale Auswirkungen auf die natürliche Umgebung haben.

Die Schaffung eines nachhaltigen Ernährungssystems ist der Kern der 2015 von den Vereinten Nationen beschlossenen Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals).[13] Die SDGs fordern eine grundlegende Transformation der Landwirtschaft und Ernährung, damit bis zum Jahr 2030 Ernährungssicherheit erreicht ist, die Ernährung weltweit verbessert wurde und der Welthunger besiegt ist.[14]

Um die SDGs zu erreichen, muss das globale Ernährungssystem reformiert werden. Es muss so umgestaltet werden, dass es produktiver ist, die arme, marginalisierte Bevölkerung global stärker einbezieht, ökologisch stabiler und widerstandsfähiger wird und in der Lage ist, alle Menschen mit einer gesunden und nahrhaften Ernährung zu versorgen.

Die Unternehmen, die wissenschaftliche und technologische Innovationen in der gesamten Lebensmittelwertschöpfungskette vorantreiben, sowie die Unternehmen, die ökologisch nachhaltige Lebensmittel produzieren, stehen an, die Wegbereiter einer globalen Ernährungstransformation zu sein.

Fleisch auf pflanzlicher Basis, zelluläres Fleisch, Big Data in der Landwirtschaft, biologische Lösungen, landgestützte Fischzucht, Algen-Aquakultur – das sind nur einige der Innovationen, die in sehr naher Zukunft auf unseren Höfen und Tellern landen werden. Und einige sind bereits da.

In den letzten Jahren haben wir eine explosionsartige Zunahme der Investitionen für Start-ups in der Agrar- und Ernährungswirtschaft – dem sogenannten Agri-Food-Bereich – erlebt. Im Jahr 2020 wurden 26,1 Mrd. USD aufgebracht, was einen Anstieg von 15,5 % im Vergleich zu 2019 bedeutet.[15] Wir erwarten, dass bald weitere Deals bekannt gegeben werden.

Beyond Meat und darüber hinaus

Darüber hinaus ist zu beobachten, dass sich immer mehr dieser Unternehmen ihr Börsendebut absolvieren. Das bekannteste Beispiel in der Branche ist sicherlich der Börsengang von Beyond Meat.

Andere nachhaltige Lebensmittelunternehmen, die Sie vielleicht weniger kennen, sind Else Nutrition, das 2019 an die Börse ging und pflanzliche Babynahrung herstellt, sowie AppHarvest, ein Indoor-Vertical-Farming-Unternehmen, das Anfang des Jahres im Rahmen eines SPAC-Deals seinen IPO absolvierte.[16] [17]

In einer Zeit, in der immer mehr technologische Innovationen zu reifen beginnen, und Verbrauchern die Wichtigkeit ihrer eigenen Ernährung bewusster wird, eröffnen sich unzählige Möglichkeiten.

Der Übergang zu einer nachhaltigeren Ernährung ist endlich möglich geworden. Wir haben zwar noch einen langen Weg vor uns, aber große Veränderungen beginnen meist im Kleinen. Es kann bei Ihnen beginnen – und bei dem, was Sie heute essen.

Dies ist eine Diskussion, die nicht mehr aufzuhalten ist und die wahrscheinlich in den nächsten Jahren im Mittelpunkt des Klimawandels stehen wird. Es ist unsere neue landwirtschaftliche Revolution; eine, die mit der Natur arbeitet und nicht gegen sie.

 

Verwandter ETF

RIZF: Rize Sustainable Future of Food UCITS ETF

 

Verweise:

[1] Our World in Data, “Food production is responsible for one-quarter of the world’s greenhouse gas emissions”, November 2019. Abrufbar unter: https://ourworldindata.org/food-ghg-emissions

[2] Our World in Data, “Half of the world’s habitable land is used for agriculture”, November 2019. Abrufbar unter: https://ourworldindata.org/global-land-for-agriculture

[3] World Bank, “Chart: Globally, 70% of Freshwater is Used for Agriculture”, März 2017. Abrufbar unter: https://blogs.worldbank.org/opendata/chart-globally-70-freshwater-used-agriculture#:~:text=In%20most%20regions%20of%20the,percent%20increase%20in%20water%20withdrawals

[4] Our World in Data, “Environmental impacts of food production”, Januar 2020. Abrufbar unter: https://ourworldindata.org/environmental-impacts-of-food

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] CNN, “The beef with beef”, December 2018. Abrufbar unter: https://edition.cnn.com/2018/12/11/health/the-beef-with-beef/index.html

[8] Our World in Data, “Half of the world’s habitable land is used for agriculture”, November 2019. Abrufbar unter: https://ourworldindata.org/global-land-for-agriculture

[9] WWF, “Soy”, 2021. Abrufbar unter: https://wwf.panda.org/discover/our_focus/food_practice/sustainable_production/soy/

[10] WWF, “The hidden costs of burgers”, 2021. Abrufbar unter: https://wwf.panda.org/discover/knowledge_hub/where_we_work/amazon/amazon_threats/unsustainable_cattle_ranching/?#:~:text=Habitat%20conversion%2C%20commonly%20referred%20to,2008).

[11] Carbon Brief, “Interactive: What is the climate impact of eating meat and dairy?”, 2021. Abrufbar unter: https://interactive.carbonbrief.org/what-is-the-climate-impact-of-eating-meat-and-dairy/

[12] Food and Agriculture Organization of the United Nations, “Sustainable food systems: Concept and framework”, 2021. Abrufbar unter: http://www.fao.org/3/ca2079en/CA2079EN.pdf

[13] Food and Agriculture Organization of the United Nations, “Food and Agriculture: Key to achieving the 2030 Agenda for Sustainable Development”, 2016. Abrufbar unter: https://sustainabledevelopment.un.org/content/documents/2313foodandagriculture.pdf

[14] ebd.

[15] Food Dive, “Agrifood companies drew at least $26.1B in investments in 2020, report finds”, Februar 2021. Abrufbar unter: https://www.fooddive.com/news/agrifood-companies-drew-at-least-261b-in-investments-in-2020-report-find/595581/

[16] Seeking Alpha, “Else Nutrition: A Stock Promotion That Pledges To Solve Long Solved Problems – Product Offerings Have Minimal Value”, Dezember 2020. Abrufbar unter: https://seekingalpha.com/article/4392763-else-nutrition-stock-promotion-pledges-to-solve-long-solved-problems-product-offerings

[17] CNBC, “Indoor farming start-up with Martha Stewart on its board joins the SPAC craze to go public”, September 2020. Abrufbar unter: https://www.cnbc.com/2020/09/29/indoor-farming-start-up-appharvest-joins-the-spac-craze-to-go-public.html

  • 1
  • 2
  • 3

Select Your Country

United Kingdom
Germany
Italy
Switzerland
Austria
Denmark
Finland
Ireland
Luxembourg
Netherlands
Norway
Spain
Sweden

Select Your Investor Type

======