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      Geht Der Kauf

          Medizinisches Cannabis: Von der Suche nach Heilung – und mehr Akzeptanz

          AUSGEWÄHLTER ARTIKEL

          Medizinisches Cannabis wird in zunehmendem Ausmaß in ganz Europa akzeptiert. Das ist zukunftsweisend für die Branche – und schafft zudem auch Akzeptanz für den Freizeitgebrauch von Cannabis durch Erwachsene. Angesichts der beschleunigten Ausweitung des legalen Zugangs, steigenden Konsumraten, gestiegener gesellschaftlicher Akzeptanz sowie einer zunehmenden Kapitalisierung der kommerziellen Aktivitäten dürfte das kommende Jahr für die Entwicklung des medizinischen Cannabismarktes von entscheidender Bedeutung sein. Wir gehen davon aus, dass die Gesamtzahl der mit medizinischem Cannabis behandelten europäischen Patienten im Jahr 2022 von circa 130.000 im Jahr 2021 auf 174.000 Patienten, also um mehr als 33 Prozent, steigen wird. Bis 2025 dürfte die Zahl der Patienten auf über 300.000 anwachsen.

          Doch selbst im cannabisfreundlichen Europa fehlt es dem medizinischen Cannabis noch an wissenschaftlicher Glaubwürdigkeit. Deshalb werden auf der Suche nach einer angemessenen Evidenzbasis ständig neue Wege beschritten. Anfang dieses Jahres haben wir einige der wichtigsten Cannabisstudien in ganz Europa unter die Lupe genommen und die Arbeit von Agenturen wie beispielsweise Medicinal Cannabis Europe untersucht. Die Organisation, die sich für den Zugang von Patienten zu medizinischem Cannabis einsetzt, weist auf die entscheidende Bedeutung wissenschaftlicher Belege hin, damit die Branche eine angemessene, wichtige Rolle spielen kann: „Einer der Hauptgründe, die Patienten vom Zugang zu sicherem medizinischem Cannabis abhalten, liegt im Mangel an wissenschaftlichen Beweisen und Forschung.“

          Ohne nachprüfbare Beweise werden risikoscheue Mediziner, Regierungen und Politiker weiterhin davor zurückschrecken, medizinisches Cannabis zugänglicher zu machen, da Fragen und Folgen unbeantwortet bleiben.

          Zu den Forschungsprojekten in diesem Bereich gehörte das bahnbrechende ProjectTwenty21 des unabhängigen britischen Forschungsinstituts Drug Science. Seit dem Beginn dieser Studie wurde Hunderten von Menschen der Zugang zu medizinischem Cannabis gewährt, mit dem Ziel, eine Evidenzbasis zu schaffen und den britischen National Health Service (NHS) davon zu überzeugen, Cannabis zur Behandlung von Erkrankungen wie Schmerzen, Angstzuständen und Epilepsie zu verschreiben. Gerade letztere war in den letzten zwei Jahren Gegenstand ausreichender Studien, die den „immensen Nutzen einer medizinischen Cannabisbehandlung für diese Patienten“ belegen. David Nutt von Drug Science ehemaliger Drogenbeauftragter der britischen Regierung fühlte sich durch die Entwicklungen „bestätigt“ und hofft auf die Unterstützung des medizinischen Establishments des Vereinigten Königreiches, damit diejenigen, die immer noch keinen Zugang zu medizinischem Cannabis haben, ohne lange Reisen oder erhebliche Kosten eine Behandlung erhalten können.

          Bei der Suche nach Belegen für die Wirksamkeit von medizinischem Cannabis geht es also nicht nur um den Nachweis seiner Wirkung, sondern auch darum, Cannabis in die Methoden und Praktiken der oftmals skeptischen nationalen medizinischen Einrichtungen und Behörden einzubinden.

          Schon unser Bericht mit dem Titel „Global Cannabis Report: Growth & Trends Through 2025“ beschreibt es im Detail: „Europa hat bei der Cannabisreform eine Vorreiterrolle eingenommen, denn fast 30 Länder des Kontinents bieten Patienten Zugang zu irgendeiner Form von legalisiertem medizinischem Cannabis.“ Für Patienten ist es heute viel einfacher als noch vor fünf Jahren, Zugang zu Cannabis zu erhalten. Sie müssen jedoch immer noch qualifizierte Bedingungen nachweisen. Und zudem wird die Verschreibung von Cannabis mitunter sehr uneinheitlich gehandhabt. Oftmals müssen Patienten Anspruchsvoraussetzungen erfüllen, die willkürlich wirken können, außerdem können Verschreibungen mit hohen Kosten verbunden sein.

          Seitdem medizinisches Cannabis 2018 im Vereinigten Königreich legalisiert wurde, wurden die Bemühungen, angemessene wissenschaftliche Beweise für medizinisches Cannabis zu finden, erheblich verstärkt. In der Gruppe der häufigen Beschwerden gehören chronische Schmerzen wohl der häufigste Grund für die Verwendung von medizinischem Cannabis.

          Ein im Journal of Clinical Pharmacology veröffentlichter aktueller Bericht von Sapphire Medical Clinics enthält Beweise des UK Medical Cannabis Registry über seine erste Gruppe von Patienten mit chronischen Schmerzen – insbesondere Fälle von chronischen Nicht-Krebs-Schmerzen, neuropathischen Schmerzen und Fibromyalgie – die mit medizinischem Cannabisöl behandelt wurden. Die Studie mit insgesamt 110 Patienten ergab „statistisch signifikante Verbesserungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität bei den Patienten ein, drei und sechs Monate nach der Behandlung“, wobei 65 Prozent von ihnen zuvor noch nie Cannabis konsumiert hatten.

          Dr. Simon Erridge von Sapphire bezeichnete die Studie als die erste ihrer Art in Europa und erklärte, dass „die Erfassung der Patientenergebnisse für ein breiteres Verständnis und einen angemessenen Zugang für in Frage kommende Patienten unerlässlich ist.“

          Zwischenzeitlich hat eine jüngste Präsentation auf dem 37. Kongress des Europäischen Komitees für die Behandlung und Erforschung der Multiplen Sklerose (MS) im Oktober ergeben, dass das orale Cannabisspray Sativex von GW Pharma Muskelspastizität und -krämpfe bei Menschen mit Multipler Sklerose (MS) lindern kann. Hierbei wurde eine Stichprobe von 347 Patienten mit MS herangezogen. Ärzte konnten Epidyolex bereits für Kinder mit Lennox-Gastaut-Syndrom und Dravet-Syndrom – beides schwere Formen der Epilepsie – verschreiben.

          Im vergangenen April fand im Vereinigten Königreich der „Medicinal Cannabis Summit“ statt: Mit „Evidence, Policy and Regulation“ (Evidenz, Politik und Regulierung) wurde versucht, die Evidenz in den Vordergrund zu rücken, wobei klinische Experten, darunter solche des National Institute for Health and Care Excellence (NICE) und des National Institute of Health Research, gemeinsam mit Fachleuten des Gesundheitswesens und politischen Entscheidungsträgern über Themen wie Cannabinoide, Epilepsie sowie Evidenz und Daten diskutierten.

          Wie Dr. Daniel Couch vom Centre for Medicinal Cannabis feststellte, erkennt NICE zugelassene Erkrankungen zur Behandlung an, darunter die Verschreibung von Epidyolex für das Lennox-Gastaut-Syndrom und das Dravet-Syndrom. Dennoch beklagte er, dass medizinisches Cannabis außerhalb dieser vom NICE zugelassenen Erkrankungen nur auf dem „Sonderweg“ verschrieben wird, d. h. durch die Verschreibung eines nicht zugelassenen Arzneimittels unter „erheblichem Risiko für den verschreibenden Arzt“.

          Dies steht im Gegensatz zum Vorgehen in den Niederlanden. Dort können Ärzte medizinisches Cannabis für jedes Leiden verschreiben, wenn sie die Substanz für vorteilhafter halten als zuvor angewandte Therapien. Die von der Regierung erstellte Liste der in Frage kommenden Leiden umfasst daher neben Schmerzen und Spasmen bei MS auch Übelkeit und Gewichtsverlust als Folge von Krebs oder AIDS, Übelkeit bei Chemotherapie, chronische neuropathische Schmerzen und das Tourette-Syndrom.

          In Italien gehören MS, chronische Schmerzen, Glaukom, Rückenmarksverletzungen, Magersucht und Kachexie zu der Liste der Erkrankungen, bei denen medizinisches Cannabis angewendet werden darf. Doch nicht alle Beamten sind so liberal – selbst in cannabisfreundlichen Ländern regen sich manchmal abweichende Stimmen. In Portugal beispielsweise existiert seit 2018 einen legalen Markt für medizinisches Cannabis, das Land gilt als eines der liberaleren EU-Staaten in Sachen Cannabis. Dennoch wird auf dem portugiesischen Markt nur Sativex verkauft. In Irland warnte ein Spezialist für öffentliche Gesundheit, Professor Bryan Lynch, kürzlich, dass CannEpil, das erste legale medizinische Cannabisprodukt in Irland und eine orale Lösung für arzneimittelresistente Epilepsie, „keine Beweise“ des Nutzens bei Epilepsiepatienten zeige und weigerte sich, es zu verschreiben.

          Ein Aufwärtstrend setzt sich dennoch fort. Auf der Grundlage einer wachsenden Zahl von Belegen für das therapeutische Potenzial von Cannabis berichtete die Wissenschaftspublikation The Lancet, dass die Weltgesundheitsorganisation erklärte, dass man nach der im Dezember 2020 von der Suchtstoffkommission der Vereinten Nationen vorgenommenen Umstufung vernünftigerweise davon ausgehen kann, dass mehr europäische Länder dieser Entscheidung folgen und Cannabis für medizinische Zwecke legalisieren werden.

          Die medizinische Gesetzgebung ist generell für ihr Schneckentempo bekannt, was Mitglieder des medizinische  Establishments oftmals selbst frustriert. Der britische Parlamentsabgeordnete Dr. Dan Poulter, der dem Vorstand des medizinischen Cannabisunternehmens Kanabo angehört, fasste die Lage kürzlich so zusammen: „Als Psychiater des staatlichen Gesundheitsdienstes, der sich ständig mit alternativen Behandlungen und Medikamenten befasst, habe ich die Forschung zu Cannabis eingehend studiert. Es gibt immer mehr und zunehmend [zwingende] Beweise dafür, dass Cannabisprodukte eine Vielzahl von medizinischen Vorteilen haben, darunter die Behandlung chronischer Schmerzen, die Verringerung der Übelkeit bei Chemotherapie-Patienten und zunehmend auch die Behandlung von Menschen mit Schlafprobleme und Angststörungen.

          Es gibt noch weitere Argumente für die Förderung von medizinischem Cannabis, zum Beispiel, dass es schädlichere Produkte überflüssig macht. So wird Cannabis zunehmend als Alternative zu Opioid-Medikamenten genannt. Es wird auch argumentiert, dass man sich nicht nur auf die klinische Forschung verlassen sollte, sondern auch die wachsende Zahl von Daten aus der realen Welt als Teil der Evidenzbasis zulassen sollte.

          Dennoch müssen die Befürworter von Cannabis, von denen einige der Leichtgläubigkeit Opfer werden, selbst auch Verantwortung übernehmen. Die anekdotische Behauptung der Wirkung von Cannabis gegen Krebs ist für die britische Wohltätigkeitsorganisation Cancer Research UK immer noch zu weit hergeholt: „Viele hunderte wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit Cannabinoiden und Krebs befassen, sind bisher veröffentlicht worden. Diese Studien haben jedoch einfach nicht genügend solide wissenschaftliche Beweise gefunden, dass diese sicher und wirksam Krebs behandeln können“.

           

          Dieses Feature stammt von New Frontier Data. Rize ETF Ltd gibt keinerlei Zusicherungen oder Gewährleistungen, weder ausdrücklich noch stillschweigend, hinsichtlich der Vollständigkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit oder Eignung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen.

           

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          BLUM: Rize Medical Cannabis and Life Sciences UCITS ETF

           

          Verweise:

          1. New Frontier Data, “Medical Cannabis, Still Seeking Both Cures and Acceptance”, December 2021. Available at: https://newfrontierdata.com/cannabis-insights/medical-cannabis-still-seeking-both-cures-and-acceptance/
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