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      Geht Der Kauf

          Warum die Strategie des Engagements gescheitert ist – und wie sie doch wirksam sein könnte?

          Die Bedeutung von “ESG”, “Nachhaltigkeit” und “Impact Investment” und die Rolle, die diese Prinzipien dabei spielen sollen, die Zukunft sozialer und grüner zu machen, bleibt ein heiß diskutiertes Thema, das auch zunehmend politisiert wird. Besonders aufgefallen ist mir dabei die polarisierte Debatte, in der Engagement und Desinvestition (auch „Devestition“ bzw. „Divestment“) gegeneinander ausgespielt werden – fast so, als ob die beiden Strategien sich gegenseitig ausschließen würden (oder sollten).

          Hält man hingegen kurz inne und versinnbildlicht sich die Bedeutung beider Konzepte, wird man schnell feststellen, dass Desinvestitionen (oder zumindest die Androhung dieser) für Investoren einen wesentlichen Bestandteil einer wirksamen Engagement-Strategie darstellen können. Die Strategie, sich mit seinem Kapital zu engagieren, ohne jedoch zugleich die Möglichkeit der Desinvestition in den Raum zu stellen, ist hingegen weit weniger wirksam.

          Lassen Sie uns also ein wenig genauer untersuchen, was wir unter einer solch effektiven Engagement-Strategie verstehen. Denn die reine Konzentration auf die Entscheidung zwischen Engagement und/oder Divestment ist eine grobe Vereinfachung dessen, was nötig ist. Tatsächlich geht um viel mehr als das.

          Wenn ein börsennotiertes Unternehmen die Anfragen eines Vermögensverwalters beharrlich ignoriert (d.h. nicht bereit ist, sich nachhaltig zu engagieren und/oder Transparenz zu einem bestimmten Thema zu schaffen) und/oder sein Verhalten oder seine Leistung bei relevanten Umwelt- und/oder Sozialindikatoren nicht verbessert, was kann der Vermögensverwalter dann noch tun?

          Wie gleich erläutert wird, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten:

          • Optionen, die nicht zu einem effektiven Engagement-Toolkit gehören

          1) Man kann die schlechte Leistung des Unternehmens (oder seine mangelnde Bereitschaft, sich zu engagieren und transparent zu sein) einfach ignorieren und die Investition in das Unternehmen trotzdem aufrechterhalten.
          (Hinweis: Dieser Ansatz bringt natürlich nichts und gehört daher nicht zum Instrumentarium effektiven Engagements);

          • Optionen, die zu einer effektiven Engagement-Strategie gehören  

          2) Man kann Druck ausüben, indem man dem Unternehmen mitteilt, dass man gezwungen sein kann, die eigenen Anteile an dem Unternehmen zu verkaufen (siehe Option 6), wenn dieses nicht anfängt, sich zu engagieren und/ oder seine Leistungen in den genannten Bereichen zu verbessern.
          (Hinweis: Das allein hat jedoch bisher nicht funktioniert. Die weltweite Klimakrise und zunehmenden anderen soziale und ökologische Herausforderungen sind Beweis dafür).

          3) Ein weiteres Druckmittel wäre, dem Unternehmen mitzuteilen, dass man mit seinen Bedenken an die Öffentlichkeit gehen wird, wenn das Unternehmen nicht beginnt, sich zu engagieren und/ oder seine Leistung in den genannten Bereichen zu verbessern.

          (Hinweis: Die Androhung der öffentlichen Anprangerung ist ein wirksames Instrument, das das Unternehmen tatsächlich dazu zwingen könnte, sich zu engagieren und konkrete Zusagen zur Behebung der festgestellten Probleme zu machen).

          4) Reagiert ein Unternehmen nicht auf (3), kann eine öffentliche Erklärung abgeben werden, in der man die schlechten Leistungen des Unternehmens in den genannten Bereichen hervorhebt.
          (Hinweis: Durch eine öffentliche Erklärung kann eine breitere Unterstützung der Gemeinschaft und der Investoren gewonnen und den Druck auf das Unternehmen enorm erhöht werden, öffentlich zu reagieren, was auch öffentliche Verpflichtungen zur Behebung der angesprochenen Probleme beinhalten kann. Von dieser Möglichkeit wird aktuell viel zu wenig Gebrauch gemacht. Die weltweit größten Vermögensverwalter – die auch die weltweit größten Aktionäre von Aktiengesellschaften sind und somit den größten Einfluss haben – tun dies nicht in nennenswerter Weise).

          5) In Verbindung mit den oben genannten Optionen (2) und (4) kann man sein Aktionärsrecht ausüben, um bei Beschlüssen wie der Wiederbestellung von CEOs etc., gegen das Unternehmen zu stimmen.
          (Hinweis: Dabei handelt es sich um ein allgemein verfügbares Instrument, das von den Vermögensverwaltern in unterschiedlichem Maße und uneinheitlich eingesetzt wird); UND

          6) Wenn alle vorangegangenen Optionen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis geführt haben, kann man seine Beteiligung an dem Unternehmen schließlich veräußern.
          (Hinweis: Der offensichtliche Nachteil dieser Option, wenn sie isoliert von den oben genannten Optionen (2) bis (5) genutzt wird, besteht darin, dass man den Einfluss verlieren, den man als Aktionär bei der Abstimmung über Unternehmensbeschlüsse bisher hatte).

          „Engagement“ bis heute: Zu viel versprochen, zu wenig geliefert

          Herkömmliche Programme, die eine nachhaltige Wirkung der Investitionen von Vermögensverwaltern bezwecken sollen, haben (bisher) nicht viel genützt, obwohl sie mit großem Aufwand betrieben werden (und viel Geld für ihre Vermarktung ausgegeben werden).

          Der Planet ist heute heißer, weniger artenreich und weniger sicher als noch vor 2,5 bzw. 10 Jahren und auch die wirtschaftliche Ungleichheit nimmt wieder zu.

          Vermögensverwalter müssen der Tatsache ins Auge sehen, dass ein großer Teil der börsennotierten Unternehmen die Nachhaltigkeitsbemühungen von Investoren ignoriert. Notwendige und geforderte Änderungen an ihrem Unternehmensverhalten oder ihren Tätigkeiten könnten zu positiven ökologischen und sozialen Änderungen führen. Stattdessen werden die Vorschläge nicht sinnvoll erwidert oder ignoriert, was vor allem dann frustrierend ist, wenn man bedenkt, dass viele der größeren börsennotierten Unternehmen eigentlich die Mittel haben, Experten einzustellen, die die Dinge ändern könnten, und in die richtigen Dinge zu investieren – mit dem Ziel, ihre allgemeinen Geschäftspraktiken, die Beschaffungspraktiken für Rohstoffe, die Beziehungen zu den Mitarbeitern usw. zu verbessern.

          Ein wichtiger Faktor, der dazu geführt hat, dass herkömmliche Engagement-Programme unwirksam waren, ist die mangelnde Bereitschaft, eine größere Hebelwirkung im Engagement-Prozess auszuüben, d.h. die mangelnde Bereitschaft, mit unternehmensspezifischen Anliegen an die Öffentlichkeit zu gehen. Dem Engagement fehlte es daher an Biss, und die zugehörigen Statements der Vermögensverwalter waren zu allgemein – und zum Beispiel eher an eine gesamte Branche statt an einzelne Unternehmen gerichtet – um angemessenen Druck auf Unternehmen auszuüben, wodurch diese zu Änderungen gezwungen wären.

          Wir sind daher der Meinung, dass ein Umdenken erforderlich ist. Vermögensverwalter (die die größten Anteilseigner von börsennotierten Unternehmen sind) müssen ihren Einsatz während des gesamten Engagement-Lebenszyklus hinweg steigern.

           

          Die Macht von PR

          Was können Asset Manager also noch tun, um die Wirksamkeit ihrer Engagement-Strategie zu erhöhen und bessere soziale und ökologische Ergebnisse für die Welt zu erzielen?

          Wir sind der Ansicht, dass Unternehmen eine faire Chance erhalten sollten, sich zu engagieren und zu verbessern, bevor Investoren gravierende Maßnahmen ergreifen. Wenn jedoch nach angemessenen Versuchen, sich zu engagieren, keine Antwort erfolgt oder keine Maßnahmen ergriffen werden, ist es an der Zeit, an die Öffentlichkeit zu gehen.

          Indem man eine öffentliche Erklärung abgibt, in der die schlechten Leistungen (oder die mangelnde Transparenz) eines Unternehmens in den relevanten Bereichen dargelegt wird und in proaktiver und unterstützender Weise hervorgehoben wird, was das Unternehmen tun muss, um die Dinge in Ordnung zu bringen, wird dieses in die Pflicht genommen: Die Pflicht, sich der Welt gegenüber zu rechtfertigen, was es dagegen tun wird. Ein großes börsennotiertes Unternehmen kümmert sich um nichts mehr als um sein sorgfältig gepflegtes, öffentliches Image und kann es sich daher nicht leisten, eine solchen Maßnahme zu ignorieren, insbesondere nicht, wenn sie von einem großen Vermögensverwalter kommt. Eine wirksame öffentliche Erklärung hat das Potenzial, Unternehmen zum Handeln aufzurütteln, wenn alle anderen Bemühungen während des gesamten Engagement-Lebenszyklus fehlgeschlagen sind. Die Erklärung ist der vorletzte Eskalationspunkt vor der Veräußerung, der nach Ausschöpfung aller vorheriger Methoden zum Zug kommen kann.

          Wir sind uns darüber im Klaren, dass eine solche Maßnahme für viele große Vermögensverwalter aufgrund der potenziellen Konflikte zwischen den Ansichten und Präferenzen ihrer jeweiligen Kunden eine unangenehme Entscheidung darstellt, weshalb diese auch nicht oft gewählt wird. In der Tat wird es zu einer immer größeren Herausforderung für internationale Vermögensverwalter – vor allem für jene, die sowohl die Anleger in den sehr liberalen Teilen Europas als auch in den konservativeren Teilen der Vereinigten Staaten zufrieden zu stellen.

          Sag niemals nie

          Wenn Sie einen Blick auf die obige Liste der Optionen werfen, sollte klar sein, dass die Optionen (2) bis (6) sich gegenseitig ergänzen. Wir glauben, dass ALLE diese Komponenten für eine wirksames Engagement-Strategie entscheidend sind, nicht nur eine oder zwei davon. Wenn Ihnen ALLE diese Optionen zur Verfügung stehen, können Sie den Druck, der auf das Unternehmen in jeder Phase des Engagement-Lebenszyklus ausgeübt wird, weitaus effektiver verstärken.

          Es ist absurd, wenn ein großer Asset Manager sagt: “Wir veräußern nie eine Position, weil das bedeutet, dass wir unseren Einfluss auf das Unternehmen verlieren.” Die Möglichkeit, sich auf Desinvestitionen zu berufen, kann ein wirksames Mittel sein, um Unternehmen zu Veränderungen zu bewegen, denn solche Desinvestitionen sind in der Regel eine öffentliche Angelegenheit. Wenn ein großer Vermögensverwalter sich von einem Unternehmen trennt, sind andere große Vermögensverwalter gezwungen, sich damit zu befassen und ihre eigene Haltung zu erklären, selbst wenn sie diesem Beispiel nicht folgen. Desinvestitionen sollten als ultimativer Eskalationspunkt betrachtet werden, der (wenn auch sparsam) eingesetzt werden sollte, nachdem alle anderen Optionen versagt haben. Denn manchmal ist es einfach notwendig, sich von einem toxischen Unternehmen zu trennen…

           

          Warum nutzt also nicht jede Vermögensverwaltung diese Optionen und warum gibt es eine so polarisierte Debatte?

          Die Antwort ist, dass je nach Vermögensverwalter oder Struktur des jeweiligen Fonds/ETF möglicherweise nicht alle Optionen verfügbar sind. Ein Asset Manager kann zum Beispiel Schwierigkeiten damit haben, die Interessenkonflikte unter seinen vielen Kunden zu bewältigen (die in Bezug auf ESG- und Nachhaltigkeitsfragen ganz unterschiedliche Meinungen und Präferenzen haben können).

          Vermögensverwalter, die passive Fonds/ETFs betreiben, deren Anlageziele darin bestehen, Indizes Dritter nachzubilden, haben wiederum keinen Ermessensspielraum, sich beim Festhalten an diesen Index von einem bestimmten Unternehmen zu trennen (d. h. ein Vermögensverwalter ist gezwungen, ein Unternehmen, das gegen die ESG-Richtlinien verstößt, ungeachtet des ESG-Risikos, das das Unternehmen darstellt, weiterhin zu halten, es sei denn, der Index selbst nimmt das Unternehmen heraus).

          Vermögensverwalter, die diese Einschränkung haben, sind daher motiviert, die Rolle, die Desinvestitionen (oder die Androhung von Desinvestitionen) in einem wirksamen Engagement-Instrumentarium spielen, herunterzuspielen oder abzutun (d. h., ob ein Vermögensverwalter sagt, dass er Desinvestitionen als Teil seines Instrumentariums einsetzt oder nicht, wird stark davon beeinflusst, ob dieser Vermögensverwalter in seiner Anlagepolitik tatsächlich die Flexibilität hat, zu desinvestieren oder nicht). Solche Vermögensverwalter behaupten dann in der Regel, dass Desinvestitionen unangemessen sind, weil dadurch der Einfluss auf ein Unternehmen verlorengeht.  

          Fakt ist, dass Desinvestition allein nicht funktioniert, genauso wie Engagement ohne die Androhung von Desinvestition (bisher) nicht zu einer grüneren, verantwortungsbewussteren Welt geführt hat. Man benötigt vielmehr ein komplettes Instrumentarium für das Engagement, mit der Fähigkeit, den Druck in jeder Phase des Lebenszyklus des Engagements zu erhöhen.

          Conclusio

          Als die weltweit größten Anteilseigner von Aktiengesellschaften ist es von entscheidender Bedeutung, dass die großen Asset Manager der Welt sich der Herausforderung stellen und alle Möglichkeiten aus dem Instrumentarium des Engagements nutzen, um den Druck auf die Unternehmen zu maximieren, damit sie ihre Transparenz und ihre Leistung bei bestimmten Themen verbessern. Auf diese Weise könnten sie die Welt in nur wenigen Jahren grundlegend verändern.

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