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          environmental infrastructure, green city

          Warum Anleger ihre Infrastrukturallokation überdenken müssen

          Global Sustainable Infrastructure

          Verfasst von: Rahul Bhushan

          Veröffentlicht: 24 November 2023

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          Wichtigste Erkenntnisse

          Die Anleger können sich nicht mehr auf die alten Kategorien "sichere" und "risikoreiche" Infrastrukturanlagen verlassen. Stattdessen müssen sie ein breiteres Spektrum von Faktoren berücksichtigen, darunter Klimawandel, technologische Störungen und Nachhaltigkeit.

          Regierungsinitiativen schaffen ein dynamisches Klima für private Investitionen, die wiederum die Entwicklung der Infrastruktur vorantreiben.

          Der Umweltinfrastruktursektor diversifiziert sich über den Bereich Saubere Energie hinaus und zieht bedeutende Investitionen an.

          Unter den dynamischen Bedingungen für globale Infrastrukturinvestitionen sind die traditionellen Wahrnehmungen und Ansätze nicht mehr gültig.

          Das sich wandelnde Antlitz der Infrastruktur – beeinflusst durch technologische Fortschritte, Nachhaltigkeitsanforderungen und sich wandelnde wirtschaftliche Bedürfnisse – stellt die Anleger vor einzigartige Herausforderungen. Diese sich verändernde Umgebungsbedingungen erfordern ein grundlegendes Umdenken der Anleger in Bezug auf ihre Investitionsallokationen in der Anlageklasse Infrastruktur. In diesem Blog gehe ich näher auf die Entwicklungen ein.

           

          Einführung

          Die Welt der Infrastrukturinvestitionen wurde in der Vergangenheit als ein Weg zu stabilen Renditen angesehen, in der “reale” Gegenstände und Anlagen unterstützt wurden, einschließlich regulierter Versorgungsunternehmen in den Bereichen Wasser und Abfall, gebührenpflichtige Straßen, Bahnstrecken und Häfen und sogar Telekommunikationsnetze. Diese Sichtweise wird jedoch angesichts der raschen technologischen, ökologischen und sozialen Umwälzungen zunehmend in Frage gestellt.

          Eine große Herausforderung liegt in der Wahrnehmung des Infrastrukturrisikos. Fast 50 Jahre lang wurden  Infrastrukturanlagen nach konventioneller Sichtweise in die Kategorien “geringes Risiko” und “hohes Risiko” eingeteilt. Heute wird diese Einteilung durch Faktoren wie den Klimawandel und technologische Innovationen auf den Kopf gestellt. Ein Wetterereignis wie eine Hitzewelle, ein Wirbelsturm oder eine Überschwemmung können heute selbst für traditionell als sicher geltende Anlagen eine erhebliche Gefahr darstellen. Traditionelle Infrastruktureinrichtungen wie Öl- und Gasanlagen und Pipelines sind mit enormen Risiken der Energiewende konfrontiert. Auch der Schienengüterverkehr könnte durch das Aufkommen völlig autonomer Elektro-Lkw erheblich beeinträchtigt werden. Diese Veränderungen unterstreichen die Notwendigkeit für Investoren, ihre traditionellen Annahmen darüber, was sie für “sichere” Infrastrukturanlagen halten, proaktiv zu überdenken.

           

          Infrastructure investment risk and return

          Künftige Bedürfnisse verantwortungsbewusst steuern

          Die Infrastruktur ist das wesentliche Rückgrat jeder florierenden Zivilgesellschaft. Sie unterstützt die alltäglichen Dienstleistungen und treibt gleichzeitig das Wirtschaftswachstum voran. Angesichts ihrer zentralen Rolle ist sie für eine nachhaltige Entwicklung von entscheidender Bedeutung. Eine zukunftsfeste Infrastruktur strebt ein harmonisches Gleichgewicht zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Zielen an. Es ist wichtig zu bedenken, dass Entscheidungen, die wir heute im Bereich der Infrastruktur treffen, einen sogenannten “Lock-in”-Effekt haben, ihre Nachwirkungen demzufolge also über Jahrzehnte andauern. Diese Langlebigkeit unterstreicht die Dringlichkeit, der Nachhaltigkeit bei unseren heutigen Infrastrukturentscheidungen Priorität einzuräumen.

          What is sustainable infrastructure development

           

          Angesichts dieser langfristigen Auswirkungen kommt noch ein ganz anderes Thema zum Tragen. Aufgrund der Bedeutung nachhaltiger Infrastrukturen rückt die sich immer dringender werdende Infrastrukturlücke weltweit in den Fokus.

          Damit ist die Differenz zwischen dem Bedarf an neuen Infrastruktur-Investitionen und den tatsächlichen Ausgaben dafür gemeint – eine Differenz, die jedes Jahr mit einer schwindelerregenden Rate von einer Billion US-Dollar wächst und die Industrieländer mit ihrer veralteten Infrastruktur ebenso wie die Schwellenländer betrifft.1

          Die Beseitigung dieser Lücke ist nicht nur eine Frage der Quantität, sondern auch der Qualität. Es ist dringend notwendig, diese Diskrepanz zu überbrücken, und es ist von entscheidender Bedeutung, dies nachhaltig zu tun und dabei die Dauerhaftigkeit der Infrastruktur und die langfristigen Folgen der heutigen Entscheidungen zu berücksichtigen.

          Infrastructure gap investment

          Die Regierungen haben die Dringlichkeit erkannt und weltweit proaktiv Ressourcen mobilisiert. Bedeutende Gesetze wie der Infrastructure Investment and Jobs Act und der Inflation Reduction Act in den Vereinigten Staaten geben das Tempo vor. Der Green-Deal-Industrieplan in Europa und spezifische Länderinitiativen wie das britische Infrastrukturbankgesetz 2023 und der deutsche Klima- und Transformationsfonds in Höhe von 212 Milliarden Euro sind ein weiterer Beweis für dieses Engagement.23 Durch diese Gesetze werden erhebliche Mittel in verschiedene Infrastrukturbereiche fließen, von Straßen und Brücken bis hin zu Investitionen in saubere Energieinfrastruktur und die Modernisierung des Stromnetzes.

          Die Rolle des privaten Kapitals

          Staatliche Initiativen sind zwar unerlässlich, doch aufgrund der begrenzten öffentlichen Mittel ist die Einbindung privaten Kapitals erforderlich, insbesondere in den Entwicklungsländern, wo der Bedarf an Infrastruktur am größten ist. Nach Angaben des World Resources Institute müssen etwa 75 Prozent der bis 2050 benötigten Infrastrukturen erst von Grund auf errichtet werden, wobei ein erheblicher Teil dieses Bedarfs aus Schwellenländern stammt.4 Erfreulicherweise haben die Vereinten Nationen dazu aufgerufen, jährlich 500 Milliarden US-Dollar in die Schwellenländer zu leiten, und zwar gezielt für Projekte, die mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung übereinstimmen.5

           

          No SDGs without Infrastructure

          Number of SDG goals that are directly, or indirectly influenced by infrastructure assets

          SDGsDirect InfluenceIndirect Influence
          Goal 1: No Poverty1/73/7
          Goal 2: Zero Hunger1/86/8
          Goal 3: Good Health and Well-being1/1312/13
          Goal 4: Quality Education0/108/10
          Goal 5: Gender Equality1/95/9
          Goal 6: Clean Water and Sanitation6/82/8
          Goal 7: Affordable and Clean Energy4/51/5
          Goal 8: Decent Work and Economic Growth0/127/12
          Goal 9: Industry, Innovation and Infrastructure4/84/8
          Goal 10: Reduced Inequalities0/106/10
          Goal 11: Sustainable Cities and Communities5/105/10
          Goal 12: Responsible Consumption and Production4/114/11
          Goal 13: Climate Action1/42/4
          Goal 14: Life below Water2/104/10
          Goal 15: Life on Land0/126/12
          Goal 16: Peace, Justice and Strong Institutions0/127/12
          Goal 17: Partnership for the Goals1/187/18

          Doch die wirklichen Vorreiter in dieser Geschichte sind Länder wie Vietnam und Chile. Ihre Erfolgsgeschichten sind ein Beispiel dafür, wie eine kluge Mischung aus politischer Weitsicht und verlockenden Risiko-Rendite-Profilen privates Kapital anziehen kann, insbesondere in Sektoren mit großem Potenzial, wie den erneuerbaren Energien:

            • Vietnam: In einem kürzlich erschienenen PWC-Bericht wurde der Staat Vietnam mit Lob überschüttet und seine Fähigkeit hervorgehoben, globale Vorreiter in Sachen Infrastruktur zu übertreffen. Die durch Regierungsreformen ausgelöste Dynamik des Landes zur Schaffung eines blühenden Marktes für einheimische und internationale Investoren hat den Weg für Investitionen in groß angelegte Wind- und Solarprojekte geebnet. Das sich daraus ergebende Risikoprofil kann nun mit dem einiger entwickelter Märkte mithalten, verspricht aber weitaus höhere Renditeerwartungen.6
            • Chile: Auf der anderen Seite des Pazifiks steht Chile mit seiner politischen Stabilität und seinem glasklaren regulatorischen Rahmen als Vorzeigebeispiel. Das ehrgeizige Ziel des Landes, bis 2050 einen Anteil 100 Prozent erneuerbaren Energien in einem Energiemix zu erreichen, hat die Attraktivität des Landes weiter erhöht. Derzeit dominieren Wind- und Solarkraftwerke die chilenische Stromerzeugungsszene.7

          Diese Erfolgsgeschichten unterstreichen eine wichtige Erkenntnis: Wenn die Bemühungen von Regierungen, ein günstiges Klima für private Investitionen zu schaffen, mit den Wünschen privater Geldgeber übereinstimmen, kann das Ergebnis eine solide Allianz sein, die die Entwicklung der Infrastruktur vorantreibt. Dieses wirksame Erfolgskonzept ist nicht auf die Energieinfrastruktur beschränkt, sondern gilt zunehmend auch für den expandierenden Bereich der Umweltinfrastruktur.

          Von der sauberen Energieerzeugung zur Umweltinfrastruktur

          Der Umweltinfrastruktursektor zieht Investitionen an und bewegt sich zugleich von seinen Wurzeln in der sauberen Energieerzeugung weg. Der Horizont des Sektors hat sich erweitert und umfasst nun eine Reihe wichtiger Untersektoren, darunter Übertragung und Verteilung, fortschrittliche Ausrüstung und Plattformen, innovative Überwachungstechnologien, Umweltschutzinitiativen, hochentwickelte Systeme zur Kontrolle der Umweltverschmutzung und intelligente Netzsysteme. Diese Ausweitung ist ein Beweis für die wichtige Rolle des Sektors für unsere nachhaltige Zukunft und ein Zeichen dafür, dass die Notwendigkeit von Investitionen in die ökologische Widerstandsfähigkeit zunehmend erkannt wird.

          Ein Rückblick auf einige der jüngsten Meilensteine im Jahr 2023:

            • Im April arbeitete der spanische Maschinenbaukonzern Acciona mit dem dänischen Windenergieriesen Orsted zusammen, um eine innovative Plattform für schwimmende Offshore-Windturbinen zu entwickeln. Diejenigen, die mit dieser Technologie nicht vertraut sind, sollten wissen, dass schwimmende Windkraftanlagen zwar in der Regel höhere Kosten verursachen als Offshore-Anlagen auf festem Boden, aber auch erhebliche Vorteile bieten. Schwimmende Windturbinen können in tieferen Gewässern positioniert werden und machen sich die zuverlässigeren und robusteren Windströmungen zunutze. Die strategische Partnerschaft zwischen Acciona und Orsted zielt nicht nur darauf ab, die Kosten für die Umsetzung und die Auswirkungen auf die Umwelt zu senken, sondern auch darauf, die beiden Unternehmen als führende Anbieter im Offshore-Windsektor zu positionieren.8
            • Im Oktober machte EDP Renováveis, ein führender spanischer Konzern für erneuerbare Energien, Schlagzeilen, indem es seine installierte Solarkapazität im asiatisch-pazifischen Raum mit einem Sprung Sprung von 480 MWp (Megawatt-Peak) im Februar 2022 auf beeindruckende 1 GWp (Gigawatt-Peak) mehr als verdoppelte. Dieses Wachstum unterstreicht das Engagement von EDP, die Energiewende im gesamten asiatisch-pazifischen Raum voranzutreiben. Mit einer starken Präsenz in neun regionalen Märkten und einer diversifizierten installierten Kapazität hat das Unternehmen bestimmte asiatische Hochburgen wie Vietnam, Singapur, China und andere APAC-Länder. Insbesondere die dezentrale Solarstromerzeugung, die 53 Prozent der 1 GWp-Kapazität ausmacht, wurde als eines der am schnellsten wachsenden Segmente von EDP identifiziert. EDP strebt eine Verdreifachung dieser Kapazität bis 2026 an, was die zunehmende Bedeutung der Dekarbonisierung in der Region widerspiegelt.9
            • Schließlich unterstreicht die Investition von Brookfield in Banks Renewable, dem führenden unabhängigen Entwickler von Onshore-Windparks in Großbritannien, im Oktober 2023 das breitere regionale Engagement für regenerative Energien. Banks Renewables, das über eine Leistung von rund 300 Megawatt aus etwa zehn Onshore-Windparks in Nordengland und Schottland verfügt, suchte nach Finanzierungsmöglichkeiten für die Errichtung weiterer 15 Parks, die dann eine beeindruckende Leistung von 900 MW erbringen sollen.10

          Diese Beispiele unterstreichen die Notwendigkeit eines Wandels und die Vorteile, die Nachhaltigkeit und Innovation bei Infrastrukturinvestitionen mit sich bringen.

          Sie zeigen, dass Innovation und Zusammenarbeit bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft von zentraler Bedeutung sind und weisen den Weg zu transformativen Investitionen in die Umweltinfrastruktur.

          Fazit

          Da sich die Landschaft der Infrastrukturinvestitionen weiterentwickelt, müssen sich die Investoren anpassen. Die alte Dichotomie von “sicheren” und “risikoreichen” Infrastrukturanlagen ist unter dem Druck des Klimawandels und der technologischen Veränderungen nicht mehr haltbar.

          Stattdessen müssen Anleger von heute auf nachhaltige, innovative Lösungen setzen, die die dringende Infrastrukturlücke schließen und den künftigen gesellschaftlichen Bedarf vorwegnehmen.

          Die Regierungen geben mit bedeutsamen Gesetzen die Richtung vor, dennoch ist es die Aufgabe des privaten Kapitals, nach vorne zu preschen und die Wegstrecke zum Ziel zu bewältigen, insbesondere in den Schwellenländern. Die Erfolgsgeschichten von Vietnam und Chile zeigen das Potenzial für hohe Renditen, wenn Investitionsstrategien mit den Zielen der nachhaltigen Entwicklung in Einklang gebracht werden.

          Letztlich geht es bei der Neubewertung von Infrastrukturportfolios nicht nur um wirtschaftliche Vorsicht, sondern um Investitionen in eine widerstandsfähige und an den Bedürfnissen aller ausgerichtete Zukunft. Die neue Ära der Infrastrukturinvestitionen erfordert demnach eine Mischung aus Vision, Anpassungsfähigkeit und Engagement für Umwelt und Gesellschaft, die den Erfolg von Portfolios und den Fortschritt von Gemeinschaften weltweit bestimmen.

          References

          1

          Nature, “Infrastructure for sustainable development”, April 2019. Available at: https://www.nature.com/articles/s41893-019-0256-8

          2

          UK Parliament, “UK Infrastructure Bank Act 2023”, March 2023. Available at: https://bills.parliament.uk/bills/3158

          3

          EURACTIV, “German government passes €212bn climate fund”, August 2023. Available at: https://www.euractiv.com/section/energy-environment/news/german-government-passes-e212bn-climate-fund/

          4

          World Resources Institute, “IPCC 1.5° Report: We Need to Build and Live Differently in Cities”, October 2018. Available at: https://www.wri.org/insights/ipcc-15deg-report-we-need-build-and-live-differently-cities

          5

          United Nations, “Guterres calls for G20 to agree $500 billion annual stimulus for sustainable development”, February 2023. Available at: https://news.un.org/en/story/2023/02/1133637

          6

          PWC, “Closing the green infrastructure gap”, November 2022. Available at: https://www.pwc.com/gx/en/issues/esg/the-energy-transition/closing-global-green-infrastructure-gap.html

          7

          Ibid.

          8

          Reuters, “Orsted and Acciona team up to make floating wind more affordable”, April 2023. Available at: https://www.reuters.com/business/sustainable-business/orsted-acciona-team-up-make-floating-wind-more-affordable-2023-04-19/

          9

          EDP, “EDP Renewables surpasses the 1 GWp installed capacity milestone in Asia Pacific”, October 2023. Available at: https://www.edpr.com/en/news/2023/10/19/edp-renewables-surpasses-1-gwp-installed-capacity-milestone-asia-pacific

          10

          Power Technology, “Brookfield to acquire Banks Renewables for $1bn”, October 2023. Available at: https://www.power-technology.com/news/brookfield-acquires-banks-renewables/

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