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          Sustainability, green future, double materiality

          Umfassende Bewertung von Nachhaltigkeit nach dem Prinzip der doppelten Materialität

          Global Sustainable Infrastructure

          Verfasst von: Félix Boudreault

          Veröffentlicht: 22 December 2023

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          Wichtigste Erkenntnisse

          Herkömmliche ESG-Ratings werden häufig mit dem Argument kritisiert, dass sie sich hauptsächlich darauf konzentrieren, wie Klima- und Sozialfragen den Betrieb eines Unternehmens beeinflussen, nicht aber deren Netto-Effekte.

          Das Framework der Doppelten Materialität hingegen unterscheidet zwischen der operativen Ebene („Wie macht man etwas?“) und den tatsächlichen Auswirkungen der Produkte bzw. Dienstleistungen („Was macht man?“).

          Die operative Ebene konzentriert sich auf die Einhaltung der Nachhaltigkeitsprinzipien eines Unternehmens, während die Produktauswirkungen die positiven oder negativen Beiträge seiner Kernprodukte und -dienstleistungen zu den Herausforderungen der Nachhaltigkeit bewerten.

          Die Einbeziehung von Bewertungen der doppelten Materialität hilft Anlegern und Stakeholdern, Unternehmen zu identifizieren, die in Bezug auf Leistung und Produktauswirkungen herausragend sind und letztlich zur Nachhaltigkeit beitragen.

          Ausgewählter Artikel

          Anlässlich der Markteinführung des Rize Global Sustainable Infrastructure UCITS ETF haben wir im Rahmen eines Auftakt-Webinars das Konzept der „doppelten Materialität“ bzw. auch „doppelten Wesentlichkeit“ (“Double Materiality”) vorgestellt. In diesem Beitrag gehen wir näher auf dieses Prinzip und seine Integration in den Foxberry SMS Global Sustainable Infrastructure USD Net Total Return Index ein. Wir erläutern, wie das Konzept für die Herausforderungen traditioneller ESG-Investitionen geeignet ist und veranschaulichen seine praktische Anwendung in realen Szenarien. Wir untersuchen die Entwicklung der Double Materiality-Analyse und ihre aufkommende Bedeutung in der Welt nachhaltiger Investitionen.

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          Die Problemstellung

          In den letzten Jahren haben Erwägungen bezüglich Environmental, Social and Governance (ESG) in der Unternehmens- und Anlagesphäre erheblich an Bedeutung gewonnen und spiegeln die wachsende Besorgnis über die Herausforderungen der Nachhaltigkeit und die Auswirkungen von Unternehmen auf die Erde und ihre Bewohner wider. ESG-Kriterien, die darauf abzielen, Unternehmen auf der Grundlage ihrer Umwelt-, Sozial- und Governance-Praktiken zu bewerten, haben bereits eine entscheidende Rolle bei der Definition von Unternehmensverantwortung und Rechenschaftspflicht gespielt. In jüngster Zeit hat ESG jedoch eine Gegenreaktion erfahren. Unabhängig von den politischen Debatten wird dabei vor allem kritisiert, dass sich die ESG-Bewertung vor allem darauf konzentriert, wie sich Klima- und Sozialfragen auf die Geschäftstätigkeit des Unternehmens auswirken – mit anderen Worten bietet sie also nur eine “Outside-In”-Perspektive. Dies ist zwar nützlich, um solche Risiken anzuerkennen und zu managen, aber sie greift zu kurz, wenn es darum geht, auf welche Weise ein Unternehmen positive Veränderungen für den Planeten und die Gesellschaft insgesamt schaffen kann (d.h. die “Inside-Out”-Perspektive).

          Mit anderen Worten: Die ESG-Perspektive betont eher, “wie man es macht”, lässt aber eine ganzheitliche Sichtweise vermissen, die auch die Frage einbezieht, “was man macht” – also die Ebene, die die tatsächlichen Auswirkungen der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens auf die Gesellschaft berücksichtigt.

            • “Wie man es macht” (Outside-In-Perspektive): : Diese Perspektive konzentriert sich darauf, wie sich externe ökologische und soziale Fragen auf die Tätigkeit eines Unternehmens auswirken. Es geht darum, wie ein Unternehmen seine Abläufe und Prozesse in Reaktion auf diese Herausforderungen steuert. Dazu gehört zum Beispiel, wie ein Unternehmen seinen ökologischen Fußabdruck reduziert, faire Arbeitsbedingungen sicherstellt oder eine ethische Unternehmensführung umsetzt. Dieser Ansatz ist in erster Linie risikoorientiert und bewertet, wie externe Faktoren die Nachhaltigkeit des Unternehmens beeinflussen.
            • “Was man tut” (Inside-Out-Perspektive): Im Gegensatz dazu betrachtet der “What you do”-Ansatz die Wirkungen, die die tatsächlichen Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens auf die Gesellschaft und die Umwelt haben. Hier geht es um die Natur des Unternehmens selbst und seinen (positiven oder negativen) Beitrag zu den Herausforderungen der Nachhaltigkeit. So trägt beispielsweise ein Unternehmen, das erneuerbare Energien produziert, positiv zur ökologischen Nachhaltigkeit bei (was es tut), unabhängig von seinen internen betrieblichen Praktiken (wie es dies tut). Aus dieser Perspektive werden die Nettoauswirkungen der Kernaktivitäten eines Unternehmens auf die Welt bewertet.

          Um diesen Herausforderungen wirksam zu begegnen, wendet unser Team von Sustainable Market Strategies (SMS) das Konzept der “doppelten Materialität” an, das einen umfassenderen und differenzierteren Ansatz für die Nachhaltigkeitsbewertung darstellt. Das bedeutet, dass wir bei unserer Bewertung nicht nur die Auswirkungen externer Risiken auf die Geschäftstätigkeit eines Unternehmens berücksichtigen, sondern auch das erhebliche Potenzial der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens, einen positiven ökologischen und sozialen Wandel zu bewirken. Dank dieses dualen Ansatzes können wir ein vollständigeres Bild der gesamten Nachhaltigkeitswirkungen eines Unternehmens vermitteln.

          Die Lösung

          Um sich näher mit dem Konzept der doppelten Materialität zu befassen, muss man zwei unterschiedliche Komponenten betrachten: Operative Leistung und Produktauswirkungen.

           

          Double Materiality two distinct components

           

          Operative Leistung

          Die operative Leistung meint die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Geschäfte im Einklang mit soliden Nachhaltigkeitsprinzipien zu führen. Dieser Aspekt konzentriert sich darauf, wie gut ein Unternehmen seine “wesentlichen” ESG-Risiken verwaltet. Je nach Branche, in der das Unternehmen tätig ist, geht es um Umweltauswirkungen, Arbeitspraktiken und ethische Unternehmensführung.

          So können beispielsweise Treibhausgasemissionen für einen Zementhersteller eine besonders relevante Kennzahl sein, während sie für ein Softwareunternehmen vielleicht nicht so relevant sind. Umgekehrt kann eine wichtige Kennzahl für ein Softwareunternehmen der Datenschutz sein, der für einen Zementhersteller nicht so wichtig ist. Die betriebliche Leistung untersucht die Einhaltung der ESG-Standards durch das Unternehmen.

          Die Untersuchung der operativen Leistung eines Unternehmens birgt Potenzial für ein effektives Engagement. Nach der Identifizierung von Schwachstellen können Engagement-Strategien auf die Bereiche zugeschnitten werden, in denen die betriebliche Leistung eines Unternehmens hinter den Nachhaltigkeitsstandards zurückbleibt. Investoren können auf das Unternehmen einwirken, bestimmte Praktiken zu ändern, um die betriebliche Nachhaltigkeit zu verbessern.

          Produktwirkungen

          Die Auswirkungen von Produkten konzentrieren sich auf Beurteilung der Folgen der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens in Bezug auf Nachhaltigkeit und Gesellschaft.

          Bei der Betrachtung der Auswirkungen der Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens kann es eine Herausforderung sein, das Kernprodukt oder die Kerndienstleistung eines Unternehmens nicht mit den Nachhaltigkeitszielen übereinstimmt (siehe das Beispiel des Tabakunternehmens Philip Morris weiter unten). In diesem Fall sind die Verbesserungsmöglichkeiten des Unternehmens begrenzt, da dieses sein Produkt bzw. seine Dienstleistung wahrscheinlich nicht ändern wird. Dies kann Anlegern jedoch dabei helfen, Bereiche zu identifizieren, die sie für ihre Portfolios ausschließen sollten.

          Beispiele aus der Praxis

          Die folgenden Beispiele verdeutlichen, wie wichtig es ist, beide Aspekte der doppelten Materialität zu berücksichtigen: betriebliche Leistung und Auswirkungen auf das Produkt.

          Schneider Electric

            • Operative Leistung: Schneider Electric nimmt eine Führungsrolle ein, insbesondere durch seine umfangreiche Nutzung erneuerbarer Energien und seine nachhaltige Beschaffungspolitik.
            • Produktauswirkungen: Die Haupttätigkeit von Schneider Electric besteht in der Herstellung von Energieeffizienzlösungen durch digitales Energiemanagement. Die Produkte des Unternehmens sind für den Übergang zu einer kohlenstoffärmeren Wirtschaft in unseren Städten und Schneider.

          Electric zeichnet sich demzufolge in beiden Aspekten der doppelten Materialität aus.

           

          Philip Morris

            • Operative Leistung: Philip Morris wird von ESG-Ratingagenturen für seine vorbildliche operative Leistung gelobt, einschließlich robuster Nachhaltigkeitspraktiken und eines effektiven Managements von ESG-Risiken.
            • Produktauswirkungen: Die Kernprodukte des Unternehmens, Zigaretten, sind weithin als gesundheitsschädlich bekannt.

          Philip Morris ist operativ stark, die Kernprodukte des Unternehmens sorgen allerdings dafür, dass ein Teil der positiven Effekte wieder ausgehebelt wird.

           

          JinkoSolar:

          Die Produkte von JinkoSolar haben zwar einen positiven Einfluss auf die Energiewende, dennoch wird dieser Einfluss durch die Bilanz des Unternehmens in Bezug auf die Menschen- und Arbeitsrechte in seinen Betrieben geschmälert. Innerhalb des Engagementprozesses mit Unternehmen, die in solche Kontroversen verwickelt sind, kann es in einigen Fällen gelingen, diese zu überzeugen, ihre betrieblichen Praktiken zu verbessern.

           

          Monster Beverage:

            • Operative Leistung:Die Transparenz des Unternehmens ist begrenzt, es fehlen Details zu den Risikoinformationen der Zulieferer, zudem wird die Produktion ausgelagert, ohne dass ein klarer Verhaltenskodex für Zulieferer ersichtlich ist.
            • Produktauswirkungen: Die Energydrinks von Monster Beverage haben einen schlechten Nährwert, einen hohen Zuckergehalt und synthetisches Koffein, was zu gesundheitsschädlichen Auswirkungen wie Bluthochdruck und Fettleibigkeit beiträgt.

          Monster Beverage hat sowohl bei seinen Produkten als auch bei den Betriebsabläufen Herausforderungen zu bewältigen. Es ist wichtig festzuhalten, dass eine nachhaltige Verbesserung in diesem Fall schwierig ist. Denn selbst mit Engagement-Strategien, die sich ausschließlich auf betriebliche Verbesserungen konzentrieren, können die grundlegenden gesundheitlichen Bedenken im Zusammenhang mit den Produkten dieses Unternehmens nicht ausgeräumt werden.

           

          Das nachstehende Matrixdiagramm veranschaulicht, wie die erwähnten Unternehmen auf der Grundlage ihrer operativen Leistung (horizontale Achse) und ihrer Auswirkungen (vertikale Achse) positioniert sind.

          Double Materiality matrix for companies

          Der Einsatz eines Rahmenwerkes für doppelte Materialität hilft bei der umfassenden Bewertung des Gesamtbeitrags eines Unternehmens auf Nachhaltigkeit und Gesellschaft, wobei effektiv zwischen Unternehmen unterschieden wird, die sowohl hinsichtlich ihrer betrieblichen Leistung als auch der Auswirkungen ihrer Produkte hervorragend abschneiden, und solchen, die in einem oder beiden Bereichen zu wünschen übriglassen. Es ist möglich, dass sich Unternehmen durch eine Verbesserung der betrieblichen Leistung dank Engagement-Strategien in die richtige Richtung bewegen und die Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit zugleich relativ stabil bleiben.

          Abschließende Überlegungen

          Durch die Bewertung der betrieblichen Leistung und der Produktauswirkungen eines Unternehmens erhalten Investoren und Stakeholder einen umfassenderen Überblick über dessen Nachhaltigkeitsbeiträge und -herausforderungen. Dieser Ansatz eröffnet die Möglichkeit für ein effektives Engagement und stellt sicher, dass Investitionen wirklich zur Verbesserung der Umwelt und der Gesellschaft beitragen können. Die Einbeziehung von Bewertungen nach dem Prinzip doppelter Materialität bedeutet einen wichtigen Schritt in der Entwicklung von Nachhaltigkeitsüberlegungen und -standards.

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          Dieses Feature stammt von Sustainable Market Strategies. Rize ETF Ltd gibt keinerlei Zusicherungen oder Gewährleistungen, weder ausdrücklich noch stillschweigend, hinsichtlich der Vollständigkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit oder Eignung der in diesem Artikel enthaltenen Informationen.

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