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          2024 food industry investment outlook

          Der Weg zu einer nachhaltigen Ernährungswirtschaft: Ausblick in das Jahr 2024

          Sustainable Future of Food

          Verfasst von: Tom Barker, CAIA

          Veröffentlicht: 26 January 2024

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          Wichtigste Erkenntnisse

          Gesundheitsbewusstsein, Klimabedenken und das Bewusst-sein der Verbraucher treiben den weltweiten Wandel hin zu nachhaltigen Lebensmittelpraktiken voran.

          Die Auswirkungen der Fleischproduktion auf die Umwelt und die Gesundheit gewinnen an Aufmerksamkeit, was zu einer verstärkten Unterstützung pflanzlicher Ernährungsweisen und einer Politik zur Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken führt.

          Regierungen und Organisationen ziehen mit regulatorischer Unterstützung und Initiativen wie das Übereinkommen der 28. Weltklimakonferenz oder der Green Deal der EU nach und schaffen so ein günstiges Umfeld für den Wandel.

          Einleitung

          Der globale Wandel hin zu einer nachhaltigen Lebensmittelzukunft hat 2023 weiter an Fahrt aufgenommen. Einzelpersonen, Unternehmen und Regierungen setzen zunehmend auf umweltfreundliche Handlungsweisen, innovative Technologien und bewusstes Konsumverhalten, um Umweltprobleme anzugehen und die langfristige Ernährungssicherheit zu fördern. Hier untersuchen wir einige der wichtigsten Entwicklungen des vergangenen Jahres und diskutieren, was die Zukunft für nachhaltige Lebensmittel bereithält.

          Gesundheitsfokus löst Nachfrageverschiebung in der Lebensmittelindustrie aus

          2023 zeigte sich der enorme Einfluss gesundheitsorientierter Pharmazeutika auf die Lebensmittelauswahl der Verbraucher. Neue Arzneimittel wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) von Novo Nordisk und Tirzepatid (Mounjaro)1 von Eli Lilly stellen hierbei wichtige Beispiele dar. Indem diese Medikamente zur Behandlung von Diabetes und Gewichtsabnahme die gesundheitlichen Folgen bestimmter Lebensmittel aufzeigten, bewirkten sie zugleich einen deutlichen Rückgang der Nachfrage nach ungesunden Lebensmitteln. Dies wirkte sich auf die Aktienkurse traditioneller Lebensmittel- und Tierzuchtunternehmen aus, was auch mit unserem Anlageansatz einhergeht, Investitionen in solche Unternehmen auszuschließen.

          COP28 gibt Anstoß für wichtige globale Lebensmittelinitiativen

          Die 28. UN-Weltklimakonferenz in Dubai („COP28“) markierte hinsichtlich der Berücksichtigung der Lebensmittelsysteme im Rahmen der Klimaschutzmaßnahmen eindeutig eine Wende. Zu den wichtigsten Höhepunkten gehörten der „Global Stocktake“ (globale Bestandsaufnahme), in der die entscheidende Rolle des Lebensmittelsystems für die Bewältigung des Klimawandels anerkannt wurde und die Gründung der Alliance of Champions for Food Systems Transformation (ACF 2) unter Führung von Ländern wie Norwegen und Brasilien. Diese Initiativen unterstrichen die Dringlichkeit nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken und einer klimaresistenten Lebensmittelproduktion.

          Der von der UN FAO verfolgte Plan, um den Wandel der Ernährungswirtschaft umzusetzen

          Der auf der COP28 vorgestellte Fahrplan der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) soll die Agrar-und Ernährungssysteme revolutionieren und sie bis 2050 in Kohlenstoffsenken umwandeln. Der Plan, der sich auf Bereiche wie Viehzucht und Anbaumethoden konzentriert, steht im Einklang mit dem 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens und zielt auf die Beseitigung des Hungers in der Welt ab.3

          “Du bist, was du isst” soll das Bewusstsein der Verbraucher schärfen

          Auf Netflix erschien mit 1. Januar 2024 ein Dokumentarfilm mit dem Titel „Du bist, was du isst: Ein Zwillingsexperiment“. Er beleuchtet, wie erheblich die Auswirkungen von Ernährung auf Gesundheit und Umwelt sind. Ein Experiment mit eineiigen Zwillingen veranschaulicht, wie sich unterschiedliche Ernährungsweisen auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken. Die Filmreihe soll das Bewusstsein der Verbraucher in den USA und weltweit schärfen und zu einer Umstellung auf nachhaltige Lebensmittel motivieren. Ihre Übereinstimmung mit dem Fahrplan der FAO symbolisiert einen entscheidenden Moment auf dem Weg zu nachhaltigen, gesundheitsorientierten Lebensmittelsystemen.4

          Verständnis für die weitreichenden Umweltauswirkungen unserer Lebensmittelwirtschaft

          Um zu verstehen, warum wir den Übergang zu einer nachhaltigen Lebensmittelzukunft schaffen müssen, ist es wichtig, die Herausforderungen unserer heutigen Lebensmittelwertschöpfungskette zu kennen und zu verstehen.

          Die folgende Grafik fasst einige der wichtigsten globalen Auswirkungen von Lebensmitteln und Landwirtschaft zusammen5:

            • Mehr als ein Viertel (26 Prozent) der weltweiten Treibhausgasemissionen entfallen auf die Nahrungsmittelproduktion
            • Die Hälfte des bewohnbaren Landes der Welt wird für die Landwirtschaft genutzt. Bewohnbares Land ist Land, das frei von Eis und Wüste ist.
            • 70 Prozent der weltweiten Süßwasserentnahmen werden für die Landwirtschaft verwendet
            • 78 Prozent der weltweiten Eutrophierung von Meer- und Süßwasser wird durch die Landwirtschaft verursacht. Eutrophierung ist die Verschmutzung von Gewässern mit nährstoffreichem Wasser.
            • 94 Prozent der Biomasse nichtmenschlicher Säugetiere sind Nutztiere. Das bedeutet, dass die Nutztiere die wildlebenden Säugetiere um den Faktor 15 zu 1 überwiegen. Dieser Anteil beträgt 97 Prozent, wenn nur landlebende Säugetiere berücksichtigt werden.
            • 71 Prozent der Vogel-Biomasse auf der Erde ist Geflügelbestand. Dies bedeutet, dass der Anteil der Geflügelbestände an der Biomasse der Wildvögel mehr als 3:1 beträgt.

          The environmental impacts of food and agriculture

          Die Frage, was wir essen und wie wir unsere Lebensmittel produzieren, ist essentiell in Bezug auf die Frage der Bekämpfung des Klimawandels, der Verringerung der Trinkwasserbelastung und Umweltverschmutzung, der Wiederherstellung von Wäldern und Grasland und dem Schutz der Tierwelt weltweit.

          Vorteile durch die Reduzierung unseres Fleischkonsums

          Wie wir oben dargelegt haben, hat die Fleischproduktion eine Reihe weitreichender negativer Auswirkungen auf die Umwelt, die Tierwelt und unsere Gesundheit. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Vorteile durch die Reduzierung des Fleischkonsums enorm sind:

            • Weniger Landnutzung für die Landwirtschaft und mehr biologische Vielfalt: Die landwirtschaftliche Nutzung ist die Hauptursache für den Verlust der globalen biologischen Vielfalt. Heute wird fast die Hälfte der eis- und wüstenfreien Flächen der Erde landwirtschaftlich genutzt, und der größte Teil dieser Flächen wird für die Viehzucht verwendet. Die gesamte globale Landnutzung für die Fleisch- und Milchproduktion beläuft sich auf 37 Millionen Quadratkilometer,6 ein Gebiet so groß wie ganz Nord- und Südamerika – von Alaska im Norden bis zum Kap Hoorn im Süden.
            • Vorteile für das Weltklima: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde auch zur Bekämpfung des Klimawandels beitragen: Sie würde die direkten Emissionen von rülpsenden Kühen und Lachgas aus Gülle reduzieren, aber auch die Emissionen aus Entwaldung und Landnutzungsänderungen verringern
            • Weniger Antibiotikaresistenz: Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde den Einsatz von Antibiotika in der Viehzucht verringern, eine Praxis, die zum Anstieg antibiotikaresistenter Bakterien beiträgt. Diese Reduzierung könnte die Wirksamkeit der vorhandenen Antibiotika und die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt erhalten.
            • Geringeres Risiko von Pandemien: Viele Infektionskrankheiten haben ihren Ursprung bei Tieren. Die hohe Besatzdichte in vielen Fleischproduktionsanlagen schafft ideale Bedingungen für die Mutation und Verbreitung von Krankheitserregern. Eine Verringerung des weltweiten Fleischkonsums würde das Risiko von Zoonosekrankheiten und einer weiteren Pandemie verringern.

          Wir glauben, dass diese Zukunft möglich ist

          Wenn wir den Klimawandel ernsthaft bekämpfen wollen, müssen wir die Emissionen aus der Lebensmittelproduktion reduzieren. Es gibt dafür mehrere Maßnahmen. Darunter höhere Ernteerträge durch verbesserte Genetik und Bewirtschaftung, die Verringerung der Lebensmittelverschwendung, eine Ernährung, die ein gesundes Gewicht erhält, die Anwendung der effektivsten landwirtschaftlichen Verfahren und die Umstellung auf eine pflanzenreiche Ernährung.

          plant-base diet

          Zuspruch für Unternehmen, die bei der Ernährungsumstellung führend sind

          Die weltweite Bewegung hin zu nachhaltigen Lebensmittelpraktiken gewinnt an Schwung und wird durch eine Reihe gesetzlicher und politischer Initiativen auf der ganzen Welt unterstützt. Zu den wichtigsten Beispielen gehören:

          Umfassende Gesetzgebung und Politik der EU7

            • Rahmenwerk für nachhaltige Lebensmittelsysteme: Im Rahmen der EU-Strategien “Green Deal” und “Farm to Fork” (vom Hof auf den Tisch) wird ein Rechtsrahmen für nachhaltige Lebensmittelsysteme vorgeschlagen, der faire, gesunde und umweltfreundliche Lebensmittelsysteme gewährleisten soll
            • Richtlinie über die Sorgfaltspflicht für nachhaltige Unternehmen (Corporate Sustainability Due Diligence Directive, CSDDD): Diese im Jahr 2022 verabschiedete Richtlinie der EU-Kommission schreibt vor, dass Unternehmen in globalen Wertschöpfungsketten, einschließlich der Lebensmittelsysteme, Verantwortung übernehmen müssen, um negative Auswirkungen auf die Menschenrechte und die Umwelt abzumildern
            • Gesetzgebung zu Materialien mit Lebensmittelkontakt: Die EU plant eine Überarbeitung dieser Rechtsvorschriften, um die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen und nachhaltige Verpackungslösungen zu fördern
            • Tierschutzgesetzgebung: Die EU plant eine Aktualisierung ihrer Tierschutzgesetze, um sie an die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und die Erwartungen der Öffentlichkeit anzupassen
            • Verordnung über die nachhaltige Verwendung von Pestiziden: Diese Verordnung legt verbindliche Ziele fest, um den Einsatz und die Risiken chemischer Pestizide bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren
            • Verordnung über entwaldungsfreie Produkte: Diese Verordnung zielt darauf ab, die Abholzung von Wäldern im Zusammenhang mit wichtigen Produkten wie Soja und Palmöl einzudämmen, und betrifft besonders risikoreiche Rohstoffe
            • Gemeinsame Agrarpolitik (GAP): Die GAP ist auf die Umgestaltung der Lebensmittelsysteme in der EU ausgerichtet und enthält Regeln für kooperative Lebensmittelversorgungsketten und faire Handelspraktiken
            • EU-Bodenstrategie für 2030: Diese Strategie, die sich mit der Verschlechterung der Bodenqualität befasst, sieht mittels einem Katalog von Maßnahmen die Etablierung gesunder und widerstandsfähiger Böden in der gesamten EU bis 2050 vor

          Global und US-Initiativen8

            • COP28: Die von über 130 Ländern im Rahmen der UN-Klimakonferenz in Dubai 2023 unterzeichnete Erklärung unterstreicht das globale Engagement für die Umgestaltung des Lebensmittelsystems und sieht Maßnahmen für nachhaltige Landwirtschaft, widerstandsfähige Lebensmittelsystemen und Klimaschutz vor
            • Inflation Reduction Act 2022: Dieses Gesetz der Vereinigten Staaten stellt erhebliche Mittel für klimafreundliche landwirtschaftliche Praktiken und den Schutz der Wälder zur Verfügung

          Regulatorische Triebkräfte im Lebensmittelsektor9

            • Agrarwissenschaft: Die GVO-Regelung der EU unterscheidet zwischen Gen-Editierung und Genveränderung, wobei bei geneditierte Lebensmitteln ein milderer Ansatz verfolgt wird
            • Nachhaltige Verpackungen: Die EU konzentriert sich auf nachhaltige Materialien für Lebensmittelverpackungen sowie auf Richtlinien zur Reduzierung von Einwegplastik
            • Präzisionslandwirtschaft: Verschiedene Verordnungen und Initiativen der EU, der USA, Indiens und Australiens fördern Techniken der Präzisionslandwirtschaft, um die Umweltauswirkungen zu minimieren
            • Pflanzliche und biologische Lebensmittel: Verordnungen der US-Lebensmittel- und Arzneibehörde (FDA), der EU und der Behörden in Singapur, Australien und Neuseeland erleichtern den kommerziellen Verkauf von pflanzlichen und zellbasierten Lebensmitteln
            • Lebensmittelsicherheit und -tests: Gesetze wie das neue Lebensmittelsicherheitsgesetz der VR China regeln den Bereich der pflanzlichen Lebensmittel und anderer Lebensmittelprodukte, um Sicherheit und Qualität zu gewährleisten

          Insgesamt stellen diese Initiativen eine starke Unterstützung für nachhaltige Lebensmittelunternehmen dar und bieten damit ein System, das Innovation, Verbraucherbewusstsein und umweltfreundliche Praktiken in der Lebensmittelindustrie fördert.

          References

          1

          Healthline, “Tirzepatide vs. Semaglutide: How Do These Medications Compare for Weight Loss?”, 2023. Verfügbar unter: https://www.healthline.com/health/tirzepatide-vs-semaglutide

          2

          The Global FoodBanking Network, “Reflections on COP28: A Breakthrough for Food System Transformation”, Dezember 2023. Verfügbar unter: https://www.foodbanking.org/blogs/reflections-on-cop28-a-breakthrough-for-food-system-transformation/

          3

          Ebd.

          4

          Tudum, “Have the Twins from You Are What You Eat Stuck to Their Diets?”, Januar 2024. Verfügbar unter: https://www.netflix.com/tudum/articles/you-are-what-you-eat-twin-experiment-documentary

          5

          Our World In Data, Januar 2024

          6

          Our World In Data, 2022

          7

          European Commission, “Legislative framework for sustainable food systems”, 2023. Verfügbar unter: https://food.ec.europa.eu/horizontal-topics/farm-fork-strategy/legislative-framework_en

          8

          World Resources Institute, “Statement: 134 Countries Sign the Emirates Declaration on Sustainable Agriculture and Put Food High on the Climate Agenda at COP28”, Dezember 2023. Verfügbar unter: https://www.wri.org/news/statement-134-countries-sign-emirates-declaration-sustainable-agriculture-and-put-food-high-0

          9

          EFSA, “GMO”. Verfügbar unter: https://www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/gmo

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